Montag, 21. November 2011

das wintergarten-varieté

©Sarah-Maria
In der Friedrichstraße/ Dorotheenstraße (Berlin) stand von 1880 bis 1944 das überaus berühmte Central-Hotel. Es war mit etwa 500 Zimmern eines der größten und wichtigsten Nobelhotels in Berlin. Zudem beherbergte es das berühmte Wintergarten-Varieté: auf über 1700 Quadratmetern bescherte man den Gästen Palmen, Lorbeerbäumchen, Schlingpflanzen, Grotten, Wasserfontänen und natürlich diverse Bars sowie eine riesige Bühne. Eine 18 Meter hohen Glaskuppel, die später einem künstlichen Sternhimmel aus hunderten von Glühbirnen wich, setzte dem Ganzen im wahrsten Sinne des Wortes die Krone auf.

Am 1. November 1895 fand dort die erste öffentliche kommerzielle Filmvorführung überhaupt statt. Die Brüder Max und Emil Skladanowsky zeigten die bewegten Bilder mittels ihres selbst entworfenen Bioscop. Auch der erste „Dummen August“ und die erste Berliner Drehbühne kann das Wintergarten-Varieté für sich verbuchen. „La Paloma“ wurde dort zum Gassenhauer. Stars wie Josephine Baker oder der Wunderjongleur Enrico Rastelli gaben sich die Klinke in die Hand. Und Miss Saharet schmiss allabendlich ihr Bein so hoch, dass sie sich ins Strumpfband beißen konnte (ihr stadtbekannter „Highkick").

Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 und den einhergehenden Auftrittsverboten war es schnell vorbei mit dem weltoffenen Varieté. Es wurde zunehmend bedeutungsloser und schließlich 1944 bei einem Luftangriff zerstört.

Quellen:
Als die Glühbirnen den Sternenhimmel aussperrten. In: Berliner Zeitung, (14.6.1997).

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