| ©Sarah-Maria |
In einem Werbeprospekt hieß es: „In jedem Zimmer fließendes Warm- und Kaltwasser, sowie Haus- und Staatstelefon, Freundlichkeit und Sauberkeit, ungestörte Ruhe. Man fühlt sich wohl, bleibt und kommt wieder! Eigene Dampfwäscherei, verbunden mit Fein-Plätterei und Schneiderei, Schlächterei, Bäckerei, Druckerei, Wasserwerk, Lichtanlage, Bibliothek in mehreren Sprachen – 5000 Bände – und Radio. Wundervolle Speise-, Lese- und Musikräume, ganz neu ausgestaltet und ausgestattet, in vornehm-künstlerischem Geschmack.“
Eine weitere Attraktion des Hotels war ein Tunnel, welcher das Hotel direkt mit dem Anhalter Bahnhof (damals einer der größten und wichtigsten Bahnhöfe von ganz Europa) verband. So konnten die Hotelgäste den Gang über die stark befahrene (damals) Königgrätzer Straße vermeiden. Das Projekt wurde vom damaligen Eigentümer Curt Elscher aus eigener Tasche finanziert und kostete ihn summa summarum fast eine Millionen Reichsmark. Zudem entstanden zusätzliche jährliche Abschläge an die Reichsbahn und die Stadt.
Der Bau des Tunnels war eine knifflige Angelegenheit, denn er durfte den Straßenverkehr nicht beeinträchtigen. Somit mussten die Bauarbeiten in der Nacht stattfinden. Es wurde stets in kleinen Schritten gearbeitet und die abgetragenen Straßenabschnitte jeden Morgen mit einem Provisorium ausgestattet, so dass der Verkehr ungehindert rollen konnte.
Bis auf die Publicity hat sich der Tunnel aber nicht wirklich rentiert: 1934 passierten ihn laut einer Zählung der Reichsbahn am 5. Juli 82 Personen, am 6. Juli 130 und am 7. Juli 129. Anzumerken ist außerdem, dass der Tunnel nicht nur den Hotelgästen offen stand, sondern von jedem genutzt werden konnte.
Neben dem Tunnel-Bau kann das Hotel aber selbstverständlich auch einige andere historische Ereignisse vorweisen: am 11. November 1918 wurde hier der Spartakusbund gegründet und schon vor der Machtergreifung der Nazis hatte es das Hotel nicht leicht, denn Elschner hegte eine offene Abneigung gegen Hitler. Er schmiss ihn 1930 sogar aus seinem Hotel. Kein Wunder also, dass sich der Boxer Max Schmeling das Excelsior aussuchte, um während der „Pogromnacht" seine Freunde Henry und Werner Lewin zu verstecken - denen er später auch zur Ausreise verhalf.
Doch dies sollte Elschner noch schwer zu schaffen machen: 1938 musste er sich der Zensur beugen und seine umfassende Bibliothek wurde von den Nazis „gesäubert“. Ebenso musste er mit seiner Jazz-Band verfahren. Dem einstigen freizügigen Umgang mit dem das Hotel Bahn-, Schiff- und sogar Flugtickets in alle Welt verkaufte, wurde ein Riegel vorgesetzt. Die Deutsche Bank pochte nun auf schnelle Abzahlung aller laufenden Kredite und brachte das Hotel damit in Schwierigkeiten. 1939 musste sich Elschner aus seinem Hotel zurückziehen. Die genauen Umstände sind ungeklärt: es gab jedoch zuvor einen langwierigen Briefwechsel mit der NS-Regierung, in dem es um den einstigen Rauswurfs Hitlers ging und ihm (damals unter Strafe stehende) Freimaurerei vorgeworfen wurde. Anfang der 50iger Jahre wurde das nach dem Krieg stark beschädigte Gebäude abgerissen.
Quellen:
Potsdamer-Platz.org: Hotel Excelsior Berlin. http://www.potsdamer-platz.org/excelsior.htm (abgerufen am 28. Mai 2011).
Arnold, K.-H.: Verbrannte Pracht am Anhalter Bahnhof. http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt99/9905proe.htm (abgerufen am 28. Mai 2011).
Kellerhoff, S.: Ortstermin Mitte – Auf Spurensuche in Berlins Innenstadt. 1928-1939: Kein Zimmer frei für Adolf Hitler. Berlin: Berlin Story Verlag, 2007.
Weihnachten kommt der Film "Menschen im Hotel" im Fernsehen (arte) - da freue ich mich schon darauf
AntwortenLöschen:-)
lieber Samstagabendgruß von Heidi-Trollspecht
Oh, vielen lieben Dank für diesen TV-Tipp! Das wäre sonst vermutlich einfach an mir vorbei gegangen....
AntwortenLöschen- und zu dir einen lieben Sonntagmorgengruß! :)