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Am Beispiel des Berliner Instituts für Sexualwissenschaften lässt sich besonders deutlich illustrieren mit welcher Brutalität die Studenten dabei vorgingen. Das damals am Tiergarten ansässige Institut war das erste seiner Art - und zwar weltweit. Es wurde am 6. Mai 1933 gegen 9:30h von ca. 100 Studenten der Hochschule für Leibesübungen geplündert und vollständig verwüstet. Sie fuhren mit Lastwagen und Blaskapelle vor, schlugen Türen ein und zerlegten die komplette Inneneinrichtung. Überall waren Glassplitter. Anschauungsmaterial und Behandlungsgerätschaften warfen sie aus dem Fester oder zerstörten sie mit Fußtritten. An dem Morgen nahmen sie „nur“ einige hundert Bücher mit, kamen aber am Nachmittag wieder und füllten gleich zwei ganze Lastwagen mit Büchern und Manuskripten. Zudem nahmen sie die Büste des Instituts-Gründers Magnus Hirschfeld als Trophäe mit.
Dass das Institut für Sexualwissenschaften so brutal zerschlagen wurde, dürfte seinen Grund u.a. darin gehabt haben, dass sich dort auch einige hohe NS-Vertreter in Behandlung befanden und sie befürchten offenbar, die delikaten Geheimnisse könnten irgendwann irgendwie an die Öffentlichkeit gelangen.
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Die Verbrennung der Bücher wurde von den Studenten für den 10. Mai 1933 auf dem Bebelplatz (gegenüber der Humboldt Universität) geplant. Mit einem Fackelzug und Lastwagenkolonne brachten sie die Bücher öffentlichkeitswirksam zum Ort ihrer Zerstörung. Vorneweg trugen sie die auf einen Stab gespießte Büste von Magnus Hirschfeld.
Auf dem Bebelplatz hielten Alfred Baeumler und Joseph Goebbels die Auftaktreden. O-Ton Goebbels: „Liebe Kommilitonen! Deutsche Männer und Frauen! Das Zeitalter eines überspitzten jüdischen Intellektualismus ist nun zu Ende, und der Durchbruch der deutschen Revolution hat auch dem deutschen Weg wieder die Gasse freigemacht. [...]“
Im Anschluss an die Reden wurden zehn Feuersprüche ausgerufen und währenddessen die Wagenladungen voller Bücher in die Flammen geworfen:
1. Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe den Flammen die Schriften von Marx und Kautsky.
2. Rufer: Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
3. Rufer: Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, Für Hingabe in Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Friedhelm Förster.
4. Rufer: Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, Für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.
5. Rufer: Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, Für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.
6. Rufer: Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, Für verantwortungsbewusste Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolf und Georg Bernhard.
7. Rufer: Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, Für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.
8. Rufer: Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, Für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.
9. Rufer: Gegen Frechheit und Anmaßung, Für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!
Die Listen:
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Die Reaktionen der ausländischen Presse:
Die ausländische Presse war empört und titelte z.B.: „Kultur auf dem Scheiterhaufen, Hitlers Büchertag“ (Het Volk, Amsterdam), „Ketzer-Scheiterhaufen in Berlin, das Mittelalter ist lebendig im Jahr des Herrn 1933“ (Politiken, Kopenhagen), „Scheiterhaufen des Geistes. Angesteckt unter dem Jubel der Ritterwache des Hakenkreuzes“ (Tidningen, Stockholm) und im Londoner Daily Telegraph fand sich die Schlagzeile „Symbolic-Holocaust“ – ohne zu wissen, welche Bedeutung diese Bezeichnung noch haben wird.
Man ist lebender Leichnam - Erinnerungen von Erich Kästner:
Erich Kästner erinnerte sich später an die Bücherverbrennung: „Ich stand vor der Universität eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich. [...] Die Bücher flogen weiter ins Feuer. Die Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners ertönten weiterhin. Und die Gesichter der braunen Studentengarde blickten, den Sturmriemen unterm Kinn, unverändert geradeaus, hinüber zu dem Flammenstoß und zu dem psalmodierenden, gestikulierenden Teufelchen. In dem folgenden Jahrdutzend sah ich Bücher von mir nur die wenigen Male, die ich im Ausland war. In Kopenhagen, in Zürich, in London. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, ein verbotener Schriftsteller zu sein und seine Bücher nie mehr in Buchläden zu sehen. In keiner Stadt des Vaterlandes. Nicht einmal in der Heimatstadt. Nicht einmal an Weihnachten, wenn die Deutschen durch die verschneiten Straßen eilen, um Geschenke zu besorgen. Zwölf Weihnachten lang! Man ist lebender Leichnam."
Quellen:
Opitz, K./Sohns, K.: http://www.buecherverbrennung33.de/index.html (abgerufen am 06. Juni 2011).
Deutsches Historisches Museum: Die Bücherbrennung. http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/buecher/index.html (abgerufen am 06. Juni 2011).
Deutsches Historisches Museum: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933. http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/berufsbeamten33/index.html (abgerufen am 06. Juni 2011).
ich bin gerade auf deinen Seiten am Lesen - und finde deine blogs sehr interessant ... ich lese weiter ...
AntwortenLöschenGrüße von Heidi-Trollspecht
Liebe Heidi-Trollspecht, das freut mich wirklich sehr! :D Du bist immer herzlich Willkommen!
AntwortenLöschenImmer wieder grauenhaft die Vorstellung, daß hier Menschen mit allen Möglichkeiten zur Bildung so boshaft und verkitscht handelten.
AntwortenLöschenJa, das sollte dabei niemals vergessen werden! Die Berliner Bücherverbrennung fand nur kurze Zeit nach der Machtergreifung statt und die Studenten haben das absolut eigenständig und ohne Druck von oben organisiert.... Das ist wirklich erschreckend!
AntwortenLöschenWenn ich so etwas lese, liebe Sarah-Maria, bin ich froh und glücklich, dass ich zu dieser Zeit noch nicht geboren war. Herzlichst Zaunwinde
AntwortenLöschenJa, das war wirklich eine schreckliche Zeit! Und man sollte alles erdenkliche tun, dass so etwas niemals wieder passiert!
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