Donnerstag, 29. Dezember 2011

schloss monbijou

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Seit Beginn des 18. Jahrhunderts stand direkt am Berliner Spreeufer ein Schloss namens Monbijou – zu deutsch „Mein Schmuckstück“. Es wurde vorzugsweise von preußischen Königinnen als Wohnsitz genutzt. Und auch Friedrich der Große verbrachte dort viele Stunden seiner Kindheit bei seiner Mutter Sophie Dorothea.

Doch was über jahrelange liebevolle Kleinarbeit sorgfältig hergerichtet wurde, konnte binnen weniger Tage zerstört werden. Diese Erfahrung musste Sophie Dorothea machen, als der russische Zar Peter der Große samt seinem als rüpelhaft bekannten Gefolge im Jahr 1717 im Schloss Monbijou untergebracht wurde. Denn die Zarengefolgschaft hielt, was ihr Ruf versprach: nach dem nur wenige Tage dauernden Besuch musste das Schloss generalüberholt werden. Die komplette Inneneinrichtung war zerstört und der sonst so penibel gepflegte Schlossgarten glich einem Schlachtfeld.

Wiederaufgebaut diente das Schloss weiterhin Sophie Dorothea bis zu ihrem Tod als Wohnsitz. Und auch Königin Frederike Luise zog sich dort vor ihrem Mann zurück. Ab Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es hauptsächlich für kulturelle Veranstaltungen genutzt und kann mit einer recht prominenten Aufführungen auftrumpfen, denn die Berliner Erstaufführung einiger Szenen aus Goethes Faust haben dort stattgefunden. Ab 1877 wurde in dem Schloss das Hohenzollernmuseum eingerichtet und für die Öffentlichkeit freigegeben. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage schwer beschädigt und schließlich Ende der 50er Jahre vollständig abgerissen.

Quellen:
rbb: Schloss Monbijou 1706. http://www.preussen-chronik.de/schauplatz_jsp/key=schauplatz_schloss+monbijou.html (abgerufen am 22. Juni 2011).
Galli, M.: Berlin, die Kunststadt. München: Bucher, 2009.
Hoja, S.C.: Geschichte - Vom Viehhof zur Residenz. http://www.monbijou.etielle.de/geschichte.html (abgerufen am 22. Juni 2011).

Sonntag, 25. Dezember 2011

à la berber

©Sarah-Maria
"Seid ruhig, ich schlafe ja doch mit jedem von euch!" pflegte die Tänzerin Anita Berber den von ihr elektrisierten Männermobs zuzurufen - und hielt was sie versprach. Sie hatte neben drei Ehemännern, unzählige Liebschaften mit Männern wie Frauen. Sie war Berlins verruchteste Stilikone und prägte die Damen-Mode der Hauptstadt wie kaum eine Andere. Denn man ging jetzt „à la Berber" im Smoking – nur das Monokel ließen die Berlinerinnen in der Regel weg.

Berlin war ebenso begeistert wie bestürzt, denn die Berber tanzte ihre Choreographien mit Titeln wie „Morphium“ oder „Kokain" stets nackt. „Im Metropol-Varieté [dem heutigen Standort der Komischen Oper] tritt eine Tänzerin Anita Berber auf, die eigentlich in allen ihren Tänzen sich in schamlosester Weise fast nackt produziert […] und vollführt durch Reiben und Streichen an ihren nackten Brustwarzen sinnlich aufreizende Posen. Die Tänzerin gefährdet unzweifelhaft ganz erheblich die Sittlichkeit und verletzt das Schamgefühl in unerhörter Weise", empörte sich 1926 ein Bürger bei der Polizei. Und es wurde sogleich ein Beamter ins Theater geschickt, um sich selbst ein Bild zu machen. Er war empört! Man hätte sie am Ende ihrer Show mit weitgespreizten Beinen auf der Bühne liegen sehen. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet – jedoch schließlich wieder eingestellt.

Anita Berber wurde 1899 in Leipzig geboren und ging mit 15 Jahren zusammen mit Mutter und Großmutter in die damals drittgrößte Stadt der Welt – nach Berlin. Dort nahm sie zunächst Ballettunterricht und hatte bald ihre ersten Soloauftritte. Leni Riefenstahl, ihre damalige Ballettkollegin, war von ihr hingerissen und bemerkte über ihre spätere Karriere: „Ihr Körper war so vollkommen, dass ihre Nacktheit nie obszön wirkte.“

Auch Klaus Mann kannte die Berber und schrieb in der Zeitschrift „Die Bühne“ über eine Begegnung mit ihr: „Anita Berber war schon eine Legende. […] Sie war erst seit zwei oder drei Jahren berühmt, aber schon ein Symbol geworden. Verderbte Bürgermädchen kopierten die Berber, jede bessere Kokotte wollte möglichst genau wie sie aussehen. Nachkriegserotik, Kokain, Salomé, letzte Perversität: solche Begriffe bildeten den Strahlenkranz ihrer Glorie. Nebenbei wußten die Kenner, daß sie eine ausgezeichnete Tänzerin war.“ Und nun Butter bei die Fische: „Sie hatte einen Kavalier bei sich und es gab Sekt. Den Kavalier und mich nahm sie morgens um zwei in ihr Hotelzimmer mit. Ich war damals kaum 18 Jahre alt. 18jährige erschüttert ein solches geschminktes Gesicht. Ihr Gesicht war eine düstere und böse Maske. Der stark geschwungene Mund, den man sah, war keineswegs ihrer, vielmehr ein blutiges Machwerk aus dem Schminktöpfchen. Die kalkigen Wangen hatten violetten Schimmer. An den Augen mußte sie täglich eine Stunde mindestens arbeiten. – Sie sprach ununterbrochen und sie log furchtbar. Es war klar, daß sie sehr viel Kokain genommen hatte; sie bot auch mir welches an. [...] Sie erzählte mit ihrer heiseren Stimme die unglaublichsten Abenteuer; von Tieren, die sie hypnotisiert, von Mördern, denen sie geschickt ausgewichen. Dabei blieb die bittere Maske, die ihr Gesicht war, im Halbdunkel unbewegt."

Anita Berber lebte schnell und viel. Überall auf der Welt ließ sie die Hüllen fallen. Doch allzu versessen auf den Exzess wurde irgendwann frivol zu besessen und berauscht zu aggressiv. Sie fing an ihr Publikum zu beschimpfen, sprang mitunter sogar von der Bühne und zimmerte dem Nächstbesten eine Flasche über den Schädel. Einmal biss sie sogar einer Frau mitten auf der Straße fast den Finger ab, weil sie auf sie gezeigt hatte.

Am Ende ihres kurzen Lebens war sie ständig auf der Flucht vor diversen Klägern. Sie und ihr dritter Ehemann hatten es sich geradezu zum Sport gemacht, unzählige Exklusivverträge abzuschließen - und sie in den seltensten Fällen auch zu erfüllen. In Beirut brach sie schließlich während einer Vorstellung zusammen. „Galoppierende Schwindsucht“ hieß die Diagnose. Die Folgen ihres enormen Drogenkonsums. In einer langwierigen, vier Monate dauerenden Reise wurde sie zurück nach Berlin gebracht und starb kurz darauf am 10. November 1928 im Kreuzberger Bethanien-Krankenhaus. Sie wurde nur 28 Jahre alt.


Quellen:
Adorján, J.: Tänzerin Anita Berber - Das nackte Leben. In: Der Spiegel, (06.08.2006).
Walde, G.: Frivolste Frau der Weimarer Republik. In: Berliner Morgenpost, (10.06.2008).
Bienert, M./Buchholz E. L.: Die Zwanziger Jahre in Berlin: ein Wegweiser durch die Stadt. Berlin: Berlin Story Verlag, 2006.
Galli, M.: Berlin, die Kunststadt. München: Bucher, 2009.

Freitag, 23. Dezember 2011

die heilige tasse


Einer Legende nach verdankt die St. Hedwigskirche in Berlin ihre Form einer Laune des Alten Fritz: denn als der König in seinem Lustschloss Sanssouci eines schönen Tages an der Kaffeetafel saß, trug ein Gesandter aus Berlin die Bitte einer Gruppe Katholiken vor: sie baten den König darum eine Kirche in Berlin bauen zu dürfen und ließen den König zudem wissen, dass es ihr ausdrücklicher Wunsch sei, dass die neue Kirche auch ihm gefalle. Der Alte Fritz fackelte nicht lang, drehte seine Kaffeetasse um und verkündete, dass die Kirche so aussehen solle.

Quellen:
Zuckschwerdt, R.: Berlin-Brandenburg. Mysteriöses, Geheimnisvolles, Sagenhaftes. München: Eulen Verlag, 1999.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

liebesgrüße nach moskau

Der französische Bäcker und Stelzenlauf-Künstler Sylvain Dornon erreichte auf seinem Weg von Paris nach Moskau am 2. April 1891 Berlin. Er hatte gewettet, dass er dem Zaren von Russland die Glückwünsche des französischen Präsidenten auf Stelzen überbringen werde. Und dies tat er auch: in nur 58 Tagen stolzierte er von Paris nach Moskau.

Übrigens: schon zwei Jahre vor seiner Reise ließ der nur 1,55 Meter große Herr Dornon von sich reden, denn er erklomm den gerade neu gebauten Eiffelturm auf Stelzen.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Kunst aufräumen

Wer noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist: hier eine Last-Minute-Idee:

Freitag, 16. Dezember 2011

german hair force

©Sarah-Maria
Zum Wochenende mal eine wahre Pionierarbeit der modischen Selbstbestimmung:

Am Montag, den 8. Februar 1971 wehte ein frischer Wind durch die Kasernen der Bundeswehr. Denn ab sofort durften die Soldaten ihre Haare tragen wie sie wollten. Ob lang, ob kurz - es war egal. Nur gepflegt mussten sie sein und zudem während des Dienstes unter einem Haarnetz verschwinden. „German Hair Force“ spottete das Ausland, doch Bundeskanzler Willy Brand und sein Verteidigungsminister Helmut Schmidt hielten an dem liberalen Kurs fest. Die Bundeswehr rüstete 740.000 Haarnetze nach und die Friseure vor den Kasernentoren mussten teilweise Konkurs anmelden.

Doch im Mai 1972 war schon wieder Schluss mit Lustig. Die Bundesregierung machte eine Kehrtwende: die Soldaten seien aufgrund nasser Haare zu oft erkältet. Die Scheren wurden wieder vorgekramt und kein Haar durfte mehr den Hemdskragen berühren. Helmut Schmidt kassierte für die Aktion den "Orden wider den tierischen Ernst".

Ganz offensichtlich sind Soldatinnen da resistenter gegen Erkältungserkrankungen, denn sie wurde ja bisher nicht via Befehl kahlgeschoren..... ;)




Quellen:
WDR: Vor 40 Jahren: Haarnetz-Erlass für die Bundeswehr. http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2011/02/08.jhtml (abgerufen am 07. Juni 2011).

Dienstag, 13. Dezember 2011

boutique josefine

©Sarah-Maria
In der Boxhagener Straße (Berlin) eröffnete Josefine Edle von Krepl 1980 die erste private Modeboutique der DDR - und landete damit prompt einen Riesenerfolg. Denn, die von der DDR-Einheitsmode geplagten Ost-Berliner rissen ihr die Klamotten förmlich aus der Hand. Schon zwei Tage nach der Eröffnung war der Laden ratzeputz leergekauft. „Halb Berlin war da. Die Leute standen in Doppelreihen. Sogar aus Rostock und Leipzig sind die Frauen gekommen“, erinnerte sie sich.

Bald darauf hatte sie auch schon die DDR-Regierung im Nacken und wurde u.a. damit schikaniert, dass sie für jedes Kleidungsstück eine genaue Stoff-Kalkulation abgeben musste. Die Behörden trennten zur Überprüfung die Klamotten auseinander und maßen exakt nach. Bei jeder Abweichung wurde der Vorwurf verbreitet, sie würde die DDR und ihre Bürger betrügen.

1989, nur einige Monate vor dem Mauerfall, gelang es ihr nach West-Berlin auszureisen. Auch ihre über die Jahre zusammengestellte Mode-Sammlung konnte sie, indem sie Teller und Töpfe damit einwickelte, über die Grenze retten. Einige der Stücke hatte sie einst sogar aus den Müllcontainern der Stadt gerettet: z.B. zog sie einst ein völlig ramponiertes Chiffonkleid aus den 20er Jahren aus einer Berliner Mülltonne und restaurierte es liebevoll. Ständig auf der Jagd nach weiteren Schätzen, war sie seitdem Dauergast bei etlichen Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen.

Heute besitzt sie eine Sammlung die sich sehen lassen kann – und dies auch tut: ihre schönsten Schmuckstücke werden im Modemuseum auf Schloss Meyenburg (in der Nähe von Pritzwalk) ausgestellt. Wen allerdings von Krepls eigene Kreationen interessieren, sollte sich ins Deutsche Historische Museum in Berlin begeben. Dort sind einige ihrer Stücke ausgestellt.

Quellen:
Elfenbein, S.: Ein Kleid von Jackie Kennedy. In: Berliner Zeitung, (14.11.1997).
Modemuseum Schloss Meyenburg: Sammlung Josefine Edle von Krepl 1900 - 1970. http://www.modemuseum-schloss-meyenburg.de/ (abgerufen am 07. Juni 2011).

Sonntag, 11. Dezember 2011

hamburgs erstes kino

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Am 20. Februar 1900 gab's in „Eberhard Knopf’s Konzert und Automatenhaus“ eine ganz besondere Attraktion zu bestaunen: das „Lebende Laufbild“. Es wurden drei kurze Filme gezeigt: ein fahrender Zug, ein Schiff und ein Bauern-Wettreiten. Mit dieser Vorführung hob Eberhard Knopf am Spielbudenplatz 21 Hamburgs erstes Kino aus der Taufe. Und bereits kurz darauf benannte er seinen Laden in „Knopf’s Lichtspielhaus“ um.

Zunächst wurden in der Regel aktuelle Ereignisse gezeigt wie z.B. die „Ankunft des deutschen Kaiserpaares in Jaffa“ oder der „Einzug in Jerusalem“ – und das wieder und wieder und wieder. Denn die Anschaffungskosten der Filmrollen waren nicht grad' billig. Daher liefen sie bis der Streifen völlig hinüber war.

Schon zwei Jahren nach Knopfs erster Filmvorführung kamen bereits einige Spielfilme auf den Markt:„Robinson Crusoe“ ließ z.B. die Kinokassen klingeln und konnte mit einer damals sensationellen Filmlänge von 625 Metern auftrumpfen (zum Vergleich die ersten drei gezeigten Filme hatten je eine Länge von etwa 25-30 Metern).

Knopf’s Lichtspielhaus platze bald aus allen Nähten. Die etwa 600 Plätze reichten bei weitem nicht aus und er kaufte schließlich zwei benachbarte Gebäude auf, um sein Kino auf 1100 Plätze zu vergrößern. Er integrierte zudem die allerneuste Film-Technik und eine moderne „Oelfeuerungs“-Heizung.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Kino weitgehend unbeschadet und so befinden sich dort noch heute einige Original-Elemente. Eberhard Knopf starb wahrscheinlich 1938. Die genauen Todesumstände sind unbekannt.

Quellen:
Film- und Fernsehmuseum Hamburg: Eberhart Knopf. http://www.filmmuseum-hamburg.de/knopf.html (abgerufen am 09. Juni 2011).

Freitag, 9. Dezember 2011

die berliner bücherverbrennung 1933

Der Bücherraub
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Auf Initiative der Berliner Studentenschaft  wurden Mitte April 1933 Aushänge in der Stadt und Uni verbreitet: „12 Thesen wider den undeutschen Geist“ sowie schwarze Listen verteilt. Alle Studenten wurde aufgefordert ihre eigenen Bibliotheken und die ihrer Freunde zu „säubern“. Studentische „Kampfausschüsse“ wurden gebildet und beauftragt private Leihbibliotheken sowie Buchhandlungen auf die schwarzen Listen hin zu „überprüfen". Ganze Lastwagen voller Bücher wurden in diesen Tagen von der Studentenschaft geraubt und im damaligen Studentenhaus (Oranienburger Straße 18) gehortet.

Am Beispiel des Berliner Instituts für Sexualwissenschaften lässt sich besonders deutlich illustrieren mit welcher Brutalität die Studenten dabei vorgingen. Das damals am Tiergarten ansässige Institut war das erste seiner Art - und zwar weltweit. Es wurde am 6. Mai 1933 gegen 9:30h von ca. 100 Studenten der Hochschule für Leibesübungen geplündert und vollständig verwüstet. Sie fuhren mit Lastwagen und Blaskapelle vor, schlugen Türen ein und zerlegten die komplette Inneneinrichtung. Überall waren Glassplitter. Anschauungsmaterial und Behandlungsgerätschaften warfen sie aus dem Fester oder zerstörten sie mit Fußtritten. An dem Morgen nahmen sie „nur“ einige hundert Bücher mit, kamen aber am Nachmittag wieder und füllten gleich zwei ganze Lastwagen mit Büchern und Manuskripten. Zudem nahmen sie die Büste des Instituts-Gründers Magnus Hirschfeld als Trophäe mit.

Dass das Institut für Sexualwissenschaften so brutal zerschlagen wurde, dürfte seinen Grund u.a. darin gehabt haben, dass sich dort auch einige hohe NS-Vertreter in Behandlung befanden und sie befürchten offenbar, die delikaten Geheimnisse könnten irgendwann irgendwie an die Öffentlichkeit gelangen.

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Die Bücherverbrennung:
Die Verbrennung der Bücher wurde von den Studenten für den 10. Mai 1933 auf dem Bebelplatz (gegenüber der Humboldt Universität) geplant. Mit einem Fackelzug und Lastwagenkolonne brachten sie die Bücher öffentlichkeitswirksam zum Ort ihrer Zerstörung. Vorneweg trugen sie die auf einen Stab gespießte Büste von Magnus Hirschfeld.

Auf dem Bebelplatz hielten Alfred Baeumler und Joseph Goebbels die Auftaktreden. O-Ton Goebbels: „Liebe Kommilitonen! Deutsche Männer und Frauen! Das Zeitalter eines überspitzten jüdischen Intellektualismus ist nun zu Ende, und der Durchbruch der deutschen Revolution hat auch dem deutschen Weg wieder die Gasse freigemacht. [...]“

Im Anschluss an die Reden wurden zehn Feuersprüche ausgerufen und währenddessen die Wagenladungen voller Bücher in die Flammen geworfen:

1. Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe den Flammen die Schriften von Marx und Kautsky.

2. Rufer: Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.

3. Rufer: Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, Für Hingabe in Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Friedhelm Förster.

4. Rufer: Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, Für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.

5. Rufer: Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, Für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.

6. Rufer: Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, Für verantwortungsbewusste Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolf und Georg Bernhard.

7. Rufer: Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, Für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.

8. Rufer: Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, Für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.

9. Rufer: Gegen Frechheit und Anmaßung, Für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!

Die Listen:
©Sarah-Maria
Doch das waren längst nicht alle verfemten Schriftsteller und Wissenschaftler. Die schwarzen Listen waren lang - sehr lang. Unter den verbrannten Bücher befanden sich z.B. auch die Schriften von prominenten Schriftstellern, wie Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Stefan Zweig und Rosa Luxemburg. Viele Künstler vierließen daraufhin Deutschland oder hatten es bereits verlassen. Und auch die Wissenschaft verlor etliche ihrer berühmtesten Vertreter. Denn durch das im April verabschiedete „Gesetz der Widerherstellung des Beamtentums“ waren etwa 20% der Universitäts-Angestellten entlassen worden. Unter ihnen auch Wissenschaftsgrößen, wie z.B. Albert Einstein, Theodor W. Adorno, Ernst Bloch oder Hannah Arendt. Viele von ihnen gingen ins Exil und setzten an den dortigen Universitäten ihre erfolgreichen Forschungsarbeiten fort.

Die Reaktionen der ausländischen Presse:
Die ausländische Presse war empört und titelte z.B.: „Kultur auf dem Scheiterhaufen, Hitlers Büchertag“ (Het Volk, Amsterdam), „Ketzer-Scheiterhaufen in Berlin, das Mittelalter ist lebendig im Jahr des Herrn 1933“ (Politiken, Kopenhagen), „Scheiterhaufen des Geistes. Angesteckt unter dem Jubel der Ritterwache des Hakenkreuzes“ (Tidningen, Stockholm) und im Londoner Daily Telegraph fand sich die Schlagzeile „Symbolic-Holocaust“ – ohne zu wissen, welche Bedeutung diese Bezeichnung noch haben wird.

Man ist lebender Leichnam - Erinnerungen von Erich Kästner:
Erich Kästner erinnerte sich später an die Bücherverbrennung: „Ich stand vor der Universität eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich. [...] Die Bücher flogen weiter ins Feuer. Die Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners ertönten weiterhin. Und die Gesichter der braunen Studentengarde blickten, den Sturmriemen unterm Kinn, unverändert geradeaus, hinüber zu dem Flammenstoß und zu dem psalmodierenden, gestikulierenden Teufelchen. In dem folgenden Jahrdutzend sah ich Bücher von mir nur die wenigen Male, die ich im Ausland war. In Kopenhagen, in Zürich, in London. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, ein verbotener Schriftsteller zu sein und seine Bücher nie mehr in Buchläden zu sehen. In keiner Stadt des Vaterlandes. Nicht einmal in der Heimatstadt. Nicht einmal an Weihnachten, wenn die Deutschen durch die verschneiten Straßen eilen, um Geschenke zu besorgen. Zwölf Weihnachten lang! Man ist lebender Leichnam."

Quellen:
Opitz, K./Sohns, K.: http://www.buecherverbrennung33.de/index.html (abgerufen am 06. Juni 2011).
Deutsches Historisches Museum: Die Bücherbrennung. http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/buecher/index.html (abgerufen am 06. Juni 2011).
Deutsches Historisches Museum: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933. http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/berufsbeamten33/index.html (abgerufen am 06. Juni 2011).

Mittwoch, 7. Dezember 2011

die trümmer des berliner stadtschloss

©Sarah-Maria
Wer sich schon immer mal gefragt hat, was eigentlich mit dem Bauschutt des nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissenen Berliner Stadtschloss passiert ist, hier die Antwort:

Nach dem Krieg war Berlin völlig zerstört. Die Trümmer hätten ausgereicht, um einen 30 Meter breiten und 5 Meter hohen Damm von Berlin nach Köln zu bauen. Nur 10% der Berliner Gebäude haben keine Kriegsschäden davon getragen. Um der Schuttmassen Herr zu werden, wurden durch die Berliner Häuserwüsten Gleise verlegt und eine Trümmerbahn eingesetzt, die die Schuttmassen zu diversen Lagerstätten fuhr.

So entstanden auch der kleine und große Bunkerberg im Volkspark Friedrichshain in ihrer heutigen Form: während des Zweiten Weltkrieges stand auf beiden Hügeln je ein Flakturm. In diesen Hochbunkern konnte die Bevölkerung vor den Luftangriffen Schutz suchen. Gegen Ende des Krieges wurden dort außerdem teilweise die Sammlungen der Berliner Museen gelagert. Nach Kriegsende wurden die Flaktürme gesprengt und mit etwa 2,1 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt aufgeschüttet. Der Kleine Bunkerberg mit Rodelbahn ist 48 Meter hoch und der Große sogar 78 Meter. Der größte Teil der Stadtschloss-Trümmer wurden dort entsorgt sowie einige Baumaterialien zu der sich im Park befindlichen Treppenanlage recycelt.

In Berlin, aber auch in anderen größeren Städten gibt es zahlreiche solcher Trümmerberge. Beispielsweise der Olympiaberg in München, der Herkulesberg in Köln oder die Erhebung an der AWD-Arena in Hannover. Der höchste Berliner Trümmerberg ist mit 114,7 Metern Höhe und 25 Millionen Kubikmetern Schutt der Teufelsberg am Teufelssee

Quellen:
Edition Luisenstadt: Trümmerberge. http://www.luise-berlin.de/novitaeten/landschaften/texte/truemmerberge.htm (zuletzt abgerufen am 06. Juni 2011).
Edition Luisenstadt Bruchstücke Trümmerbahn und Trümmerfrauen. http://www.luise-berlin.de/lesezei/blz00_02/text59.htm (zuletzt abgerufen am 10. Mai 2011).

Dienstag, 6. Dezember 2011

buddel-peter

©Sarah-Maria
Noch bis ins 19. Jhd. hinein waren Parkanlagen ausschließlich den Adeligen vorbehalten und waren stets Teil eines privaten Anwesens. Doch Peter Joseph Lenné (1789-1866) hatte nicht vor es dabei zu belassen. Er war seinerzeit einer der berühmtesten Landschaftsgärtner überhaupt. Schon mit 26 Jahren wurde er Gartengeselle im Schloss Sanssouci und übernahm dort einige Jahre später das Zepter. Unter seiner Regie wurden die höfischen Gartenanlagen so wie wir sie heute kennen umgestaltet. Auf sein Konto geht außerdem - unter diversen anderen bekannten Anlagen - der Park Bellevue und der Park Schloss Charlottenburg.

Lenné arbeitete bereits 1818 ein Konzept aus, das den Großen Tiergarten (Berlin) in einen öffentlichen Erholungspark verwandeln sollte. Jedoch dauerte es noch einige Jahre bis er seine bürgernahe Grünanlage schließlich umsetzten konnte und Magdeburg kam den Berlinern in Sachen Volkspark zuvor, aber 1833 war es schließlich so weit: Lenné wurde damit beauftragt den ersten Volkspark Berlins zu gestalten.

Dies gelang ihm mit einem solchen Erfolg, dass in Berlin bereits kurze Zeit später diverse weitere öffentliche Park- und Grünanlagen folgten -  in den meisten Fällen übrigens ebenfalls unter Lennés Fuchtel. Insgesamt hat er mehrere hundert Anlagen entworfen. Kein Wunder also, dass er von den Berlinern „Buddel-Peter“ genannt wurde.

Quellen:
Fischer, P.: Er prägte das Gesicht Berlins. Der Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt99/9909porb.htm (abgerufen am 06. Juni 2011).
Galli, M.: Berlin, die Kunststadt. München: Bucher, 2009.

Montag, 5. Dezember 2011

heinrich zille als "bauernschlächter"

©Sarah-Maria
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Straße vom Berliner Königsplatz, dem damaligen Standort der Siegessäule (heute Platz der Republik), bis hin zum Kemperplatz von sämtlichen Markgrafen, Kurfürsten und Königen Brandenburgs und Preußens gesäumt: die Siegesallee. Insgesamt waren es 32 Figurengruppen, von denen seit dem Zweiten Weltkrieg einige zerstört oder verschollen sind. Die noch erhaltenen Mamorstatuen befinden sich heute zum größten Teil in der Spandauer Zitadelle  (siehe Foto).

Eine der Figurengruppen, die Nummer 9, stellte den Markgrafen Heinrich das Kind mit seinen zwei Nebenfiguren Wartislaw IV. und den Ritter Wedigo von Plotho (oder auch der Bauernschlächter genannt) dar. Für letzteren stand der schon damals in Berlin durchaus berühmte Grafiker Heinrich Zille dem Bildhauer August Kraus Modell.

Dies ließ die Berliner Kreuzzeitung nicht unkommentiert: „So ist z. B. das bärbeißige Raubrittergesicht des biederen Grafen Plotho mit der so charakteristischen urgermanischen Kartoffelnase, das die Heiterkeit des königlichen Auftraggebers in so hohem Maße erregte, nicht etwa ein Phantasiegebilde des Künstlers, sondern das wohlgelungene Porträt eines ehrbaren Charlottenburger Spießbürgers und technischen Leiters einer bekannten Großen Kunstanstalt […].“ (22. März 1900)

Freitag, 2. Dezember 2011

gemetzel der gammler

©Sarah-Maria
Die Rolling Stones gaben am 15. September 1965 auf der Berliner Waldbühne das Abschlusskonzert ihrer Deutschlandtournee. Die Karten waren restlos ausverkauft und das trotz der damals wirklich horrenden Summe von 20 Mark pro Ticket.

Doch einigen war das Eintrittsgeld wohl doch zu viel und sie schummelten sich erfolgreich an den Türstehern vorbei. So weit so gut - aber als jene sich dann schließlich noch auf reservierte Plätze setzten, kam es zu ersten Handgreiflichkeiten im Publikum. Und noch während die Vorband spielte entwickelte sich das Ganze zu einer waschechten Massenschlägerei. Mitten im schönsten Gerangel, gegen 21:30h, betraten dann die Stones die Bühne - mussten jedoch gleich wieder fliehen, denn einige Fans stürmen eben jene. Nach erfolgreichem Zurückdrängen des Mobs durch Ordner, starteten die nunmehr leicht ängstlich wirkenden Stones einen zweiten Versuch. Doch es dauert nicht lang, bis einige "Zuschauer" zum erneuten Entern der Bühne ansetzten, bei dem es ihnen schließlich sogar gelang Mick Jagger seiner Jacke zu entledigen. Das nahmen die Stones als Stichwort und traten nach nur drei Songs den endgültigen Rückzug an. Woraufhin die eh schon explosive Stimmung endgültig überkochte.

Die Bilanz: 4 Stunden Massenschlägerei inklusive Zerlegung der kompletten Waldbühnen-Einrichtung, gefolgt von weiteren Wutausbrüchen in der Berliner Innenstadt: 17 S-Bahnzüge und diverse Autos mussten dran glauben. Insgesamt wurden 87 Verletzte, 85 Festnahmen und 400.000 Mark Schaden verbucht. Die Berliner Waldbühne verlor außerdem ihre Bedeutung als Veranstaltungsstandort und wurde erst 1981 komplett renoviert.

Die Presse bediente sich für ihre Berichterstattung übrigens recht eingängiger Schlagzeilen wie „Barbarei in Massenhysterie“, „Hölle im Hexenkessel“ oder ganz besonders delikat, wie ich finde: „Gemetzel der Gammler“.

Quellen:
WDR: Kleinholz im Hexenkessel. http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2010/09/15.jhtml (abgerufen am 03. Juni 2011).
Berlin.de: Waldbühne. http://www.berlin.de/orte/sehenswuerdigkeiten/waldbuehne/ (abgerufen am 03. Juni 2011).
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