„Gelegenheiten für erotische Vergnügungen gab es im Berlin dieser Zeit viele. Clubs und Bars für Lesbierinnen und homosexuelle Männer konnte man im Westen Berlins und auch im größeren Umfeld finden“, erinnerte sich die lesbische Ärztin Charlotte Wolff an das Nachtleben der Weimarer Republik. In der Schwerinstraße 13 war z.B. einer von diesen Orten: der „Toppkeller“. In ihm fand jeden Montag der Damenklub Pyramide statt. Dort traf man u.a. die skandalöse und weltbekannte Tänzerin Anita Berber, die Schauspielerin Gertrud Eysoldt oder auch die Sängerin Claire Waldoff.
Wer hier her kam war jedoch nicht zwangsläufig homosexuell. Im Gegenteil auch die heterosexuellen Lebedamen der Goldenen Zwanziger Jahre gaben sich hier die Klinke in die Hand. Es galt als schick. „Es sind nämlich Menschen, welche in alle einschlägigen Lokale kommen, um uns zu besehen, um uns anzustarren. Also Sehleute“, schrieb die Lesbenzeitschrift „Die Freundin“ 1929.
Der Maler Rudolf Schlichter verewigte den Toppkeller übrigens 1925 in einem seiner Bilder. Es gehört heute zur Sammlung des Berliner Kupferstichkabinetts (ist aber leider nicht Teil einer ständigen Ausstellung).
Quellen:
Leidinger, C.: Eine „Illusion von Freiheit” – Subkultur und Organisierung von Lesben, Transvestiten und
Schwulen in den zwanziger Jahren. http://www.lesbengeschichte.de/Pdfs/pdfs_politik_subk_deutsch/subkultur_leidinger_2008.pdf (abgerufen am 21. Juni 2011).
Charlotte Wolff Kolleg: Biographie - Charlotte Wolff. http://charlotte-wolff-kolleg.de/das-kolleg/charlotte-wolff (abgerufen am 21. Juni 2011).

☺☺☺
AntwortenLöschenLG Rosine
Davon hab ich schon ab und zu gelesen, dass während der Weimarer Republik, also nach dem 1.Weltkrieg, eine sehr frei Zeit anbrach, natürlich nur in den Großstädten. So ab 1933 kam's dann aber knüppeldick anders, alles was vorher erlaubt war wurde dann strengstens verboten.
AntwortenLöschenIn den 20er Jahren gings den Leuten unheimlich schlecht, meine Mutter hat oft aus dieser Zeit erzählt und trotzdem spricht man von den goldenen 20er Jahren...sicher war die Freiheit damit gemeint.
Danke für deinen Beitrag, es ist immer interessant was du ausgräbst! Liebe Grüße von Zaunwinde
Hallo,
AntwortenLöschendass in Berlin auch zu dieser Zeit ein viel offeneres soziales Leben war ist auch durch die allg. vielen offenen Klubs und Beschreibungen dieser Zeit bekannt. Ein interessantes Thema!
Lieber Gruß Senna
Hallo! Vielen Dank für deinen Kommentar und fürs Verfolgen! Du hast einen sehr interessanten Blog, jedenfalls einen, der aus der üblichen Reihe fällt. Ich freue mich auf deine Beiträge :)
AntwortenLöschen@Natalia: Vielen lieben Dank und fühl‘ dich ganz herzlich Willkommen! :)
AntwortenLöschen@ Zaunwinde und Senna: man muss halt auch immer bedenken, wenn man über das Berlin der 20er Jahre spricht, dass es damals mit 3,5 Millionen Einwohnern die dritt größte Stadt der Welt war. Etliche Künstler und Intellektuelle lebten dort und gestalteten das kulturelle Leben. Es gab ca. 100 Theaterbühnen und 1921 (!) bereits über 400 Kinos. Zudem gab es noch an die 100 erotische Clubs – für jede erdenkliche „Orientierung“. Berlin war DIE Metropole für Kunst, Theater, Mode und Literatur. Aber auch in der Wissenschaft gab es viel Fortschritt: Albert Einstein hat z.B. damals in Berlin gelebt und gelehrt und das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaften wurde in dieser Zeit in Berlin eröffnet.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: er herrschte natürlich auch viel Armut und Elend.... Die Arbeitslosen-Zahlen waren verrückt hoch und die Inflation schlug um sich: im Herbst 1923 verdoppelten sich die Brotpreise fast täglich. Anfang November kostete in Laib Brot 80 Milliarden Mark. Als am 15. November die Deutsche Rentenmark eingeführt wurde, entsprach eine Rentenmark einer Billionen Mark.
Auch dieser Beitrag ist wieder sehr interessant und das ausgewählte Bild gefällt mir sehr gut.
AntwortenLöschenViele Grüße Synnöve