Freitag, 17. Februar 2012

im eldorado

 ...um an meinen Post vom Montag anzuknüpfen: ;)

„Eine männliche Chanteuse singt mit ihrem schrillen Sopran zweideutige pariser Chansons. Ein ganz mädchenhafter Revuestar tanzt unter dem Scheinwerferlicht weiblich graziös Pirouetten. Er ist nackt bis auf die Brustschilde und einen Schamgurt, und selbst diese Nacktheit ist noch täuschend, sie macht den Zuschauern noch Kopfzerbrechen, sie läßt noch Zweifel, ob Mann, ob Frau. Eine der entzückendsten und elegantesten Frauen, die im ganzen Saale anwesend sind, ist oft der zierlich Bob, und es gibt Männer genug, die in der Tiefe ihres Herzens bedauern, daß er kein Mädchen ist, daß die Natur sie durch einen Irrtum um eine deliziöse Geliebte betrogen hat“, hieß es in dem 1931 erschienen „Führer durch das lasterhafte Berlin“ und gemeint ist das erste der beiden Eldorados in der Martin-Luther-Straße (Berlin). Das verruchte Büchlein ist übrigens u.a. mit Werken von der Künstlerin Jeanne Mammen illustriert.

Bald darauf wurde in der Kalckreuthstraße/ Ecke Motzstraße (Berlin) ein zweites Eldorado eröffnet. Und obwohl das lasterhafte Vergnügen nicht ganz billig war, denn immerhin kostete der Eintritt 20 Mark und für Wein mussten die Herren nochmals 10 Mark auf den Tisch legen, konnten sich die beiden Eldorados nicht über mangelnde Kundschaft beklagen.

Die beiden Klubs bestanden für lange Zeit parallel und gehörten zu den berühmtesten Treffpunkten der homosexuelle Szene. Im Berlin der 20er Jahre gab es um die hundert Etablissements dieser Art. Mit der Machtergreifung der Nazis wurden diese umgehend geschlossen und verboten. Seit 1996 gibt es in der Motzstraße 20 wieder ein Eldorado.

Quellen:
Eldorado: Auszug aus dem "Führer durch das "lasterhafte" Berlin" von Curt Moreck. http://www.eldoradoberlin.de/show/index.php?site=geschichte (abgerufen am 21. Juni 2011).
Leidinger, C.: Eine „Illusion von Freiheit” – Subkultur und Organisierung von Lesben, Transvestiten und
Schwulen in den zwanziger Jahren. http://www.lesbengeschichte.de/Pdfs/pdfs_politik_subk_deutsch/subkultur_leidinger_2008.pdf (abgerufen am 21. Juni 2011).
Bienert, M./Buchholz E. L.: Die Zwanziger Jahre in Berlin: ein Wegweiser durch die Stadt. Berlin: Berlin Story Verlag, 2006.

Kommentare:

  1. Hallo Sarah-Maria, du bis eine Hübsche!..ich seh eben dein Bild.

    Diese Zeit wird in Erich Kästners "Fabian" sehr gut beschrieben.
    Es war wirklich eine verrückte Zeit damals.Tagsüber prüde und spießig und nachts war alles erlaubt.

    Vielen Dank, für deinen interessanten Beitrag...ich lese immer sehr gerne bei dir!
    Herzlichst Zaunwinde

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  2. das freut mich auch dass ich dich sehen kann :-)
    ein schönes Foto von dir mit interessantem Hintergrund (ist das ein Bild oder eine Skulptur?

    den eldorado-text habe ich wieder gerne gelesen ... und jetzt werde ich mir ein bisschen Bilder von Jeanne Mammen ansehen ...

    liebe Wochenendgrüße von Heidi-Trollspecht

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  3. Es soll ja Menschen geben, die nicht wissen wie sie ihr Geld verschwenden sollen, für diese ist wohl so ein Eldorado gemacht.
    Schön, dass Du für uns in der Geschichte kramst,
    liebe Grüße Ulrike

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