Dienstag, 20. März 2012

die spitze des kilimandscharo

Im Muschelsaal des Neuen Palais in Potsdam ist eine ganz besonders entzückende Trophäe kolonialistischen Größenwahns zu bestaunen: die Spitze des Kilimandscharo.

Von 1885-1918 wurde der Kilimandscharo offiziell in Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe umbenannt, denn er lag in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika und war somit der höchste Berg auf deutschen Territorium. Im Oktober 1889 bestieg, nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, eine kaiserliche Delegation den Gipfel. Mitglied dieser Gruppe war der Leipziger Hans Meyer, welcher schließlich die Gesteinsprobe von der Spitze entnahm und dem Kaiser feierlich als Symbol für das erfolgreiche Entern des Berges übergab. Und dieser ließ sie kurzerhand als Deko in den Muschelsaal einbauen.

Der Musiker Anton Profes (Komponist der Titelmelodie der Sisi-Reihe) ließ sich durch dieses Ereignis übrigens zu seinem Schlager „Was macht der Maier am Himalaya?“ inspirieren. Dem aufmerksamen Leser wird jedoch an dieser Stelle sofort auffallen, dass dies nur begrenzt Sinn ergibt, denn der Kilimandscharo und das Himalayasystem liegen nicht einmal im selben Kontinent. Aber was soll man machen? Kilimandscharo reimt sich nunmal nicht auf Meyer.... ;)



Kommentare:

  1. Tja, es meyert schließlich überall!

    LG Rosine ♥

    AntwortenLöschen
  2. Tja, 1917 hatte nicht etwa die Schweiz mit ihrer Dufourspitze oder die Österreicher mit (damals noch) ihrem Ortler den höchsten Berg, sondern Deutschland mit der Kaiser-Wilhelm-Spitze. Wusste nicht, dass er das mit dem "Platz an der Sonne" gleich soo ernst nahm ;-)

    lg Mathias

    AntwortenLöschen
  3. wieder interessant!
    und dass der Hans Maier musikalisch plötzlich am Himalaya war finde ich witzig. Ich kannte das Lied schon - aber nicht die Hintergründe.

    liebe Frühlingsgrüße von Heidi-Trollspecht

    AntwortenLöschen
  4. Da kann man wirklich von Größenwahn sprechen, mit höchstem Berg Deutschlands, Sarah-Maria.
    Mir war die Geschichte fremd...das Lied kannte ich, aber auch keine Hintergründe wie der Zusammenhang mit Meyer entstand.
    Ich bin wieder ein bisschen schlauer geworden! Dankeschön!
    Liebe Grüße von Zaunwinde

    AntwortenLöschen
  5. Heut hab ich mir mal Zeit genommen. Das Lied kommt mir bekannt vor, die Geschichte dazu aber ist mir vollkommen neu. Sehr interessant! DANKE
    Liebe Rosaliegrüße ∙∙♥♥∙∙

    AntwortenLöschen
  6. Vielen Dank, ich kannte weder das Lied noch die Geschichte dazu! :)

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Sarah-Maria,

    zu wilhelminischem Größenwahn fällt mir die Haut-Königsbourg im Elsaß ein. Das Elsaß war ja nach dem deutsch-französichen Krieg 1870/71 deutsch geworden. Auf den Höhen der Vogesen ist eine deutsche Burg in deutschem Stil nachgebaut worden. Anfang der 90er Jahre hatten mir Franzosen noch erläutert, dass der Bahnhof vom Metz in dieser Zeit abgerissen worden ist und in einem wilhelminischen Stil neu gebaut worden ist. Nicht nur wegen dieser Gegebenheiten beeindruckt mich die Kaiserzeit negativ.

    Gruß Dieter

    AntwortenLöschen
  8. Vielen lieben Dank für eure Kommentare! Ich freue mich immer sehr darüber!

    Liebe Grüße zu euch allen und habt ein schönes, interessantes Wochenende. :)

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...