Der Name Kempinski verspricht heute 5-Sterne-Noblesse der Extraklasse. Hotels auf der ganzen Welt schmücken sich mit diesem exklusiven Namen. Doch wer war eigentlich der Namensgeber?
Die Berliner Kempinski-Geschichte begann 1862, als Berthold und Helena Kempinski in die Hauptstadt zogen und bald darauf ihre Firmentätigkeit „M. Kempinski & Co“ mit einem kleinen Weinhandel und angrenzender Weinstube in der Friedrichstraße 176 begannen. 1889 zog das florierende Unternehmen in die Leipziger Straße 25, denn dort boten sich wesentliche größere Räumlichkeiten und zudem war durch Ankaufmöglichkeiten umliegender Immobilien das Grundstück noch ausbaufähig. Zu dieser Zeit beschäftigten die Kempinskis bereits etwa 800 Mitarbeiter.
Alsbald wurde das Unternehmen in eine offene Handelsgesellschaft („OHG M. Kempinski & Co“) umgewandelt und nach dem Tod Berthold Kempinskis, 1910, von seinem Schwiegersohn Richard Unger weitergeführt. Zu seinen Mitgesellschaftern wurden Hans Kempinski, ein Neffe des Firmengründers, sowie einige Zeit später Richard Ungers Neffe Walter Unger und sein Sohn Friedrich Unger.
Bereits 1918 kaufte das Unternehmen mehrere Immobilien am Kurfürstendamm sowie der angrenzenden Fasanenstraße und eröffnete 1926, nach einigen Umbauten, ein Restaurant mit Feinkostladen. Ein von Berthold Kempinskis Bruder geführtes Weinlokal in Breslau ging außerdem in den Firmenbesitz über. Den größten Fisch angelte sich aber das Unternehmen mit dem „Haus Vaterland“ am Potsdamer Platz. Ein Vergnügungspalast mit diversen Gaststätten und Kinos in dem insgesamt 8000 Gäste Platz fanden. Es folgten das „Café Trumpf“ an der Gedächtniskirche und ein Hotel am Schlänitzsee. Außerdem kaufte das Unternehmen Weingüter und Kellereien an Rhein und Mosel auf und gründete zudem einen Wein-Versandhandel.
Mit der Machtübernahme der Nazis war das Unternehmen, aufgrund der jüdischen Herkunft der Besitzer, zunehmender Repressalien ausgesetzt und so sah sich die „OHG M. Kempinski & Co." zur Geschäftsaufgaben gezwungen. Sie verpachteten ihre Betriebe am 29. April 1937 an die von der Aschinger AG kurz zuvor und extra deswegen gegründete „M. Kempinski & Co. Weinhandel und Handelsgesellschaft mbH“(kurz M. Kempinski & Co. GmbH). Ab 1941, mit dem Verbot jüdischer Firmennamen, wurde das Unternehmen als „F.W. Borchardt Weinhaus und Handelsgesellschaft mbH“ weitergeführt. Zudem wurde das Firmenlogo geändert und der integrierte David-Stern durch Weintrauben ersetzt.
Nach dem Krieg waren alle Gebäude des Unternehmens schwer beschädigt oder komplett zerstört. Richard und Friedrich (nun anglisiert Frederic) Unger überlebten im Exil. Hans Kempinski verstarb vor Kriegsende im Ausland und Walter Unger wurde in Ausschwitz von den Nazis ermordet.
Nach Kriegsende versuchten Richard und Frederic Unger den Betrieb zurück in den Familienbesitz zu führen, scheiterten jedoch daran, dass die Aschinger Aktiengesellschaft sich auf den Pachtvertrag von 1936 berief. Erst 1950 kam es zu einer Einigung, die zur Folge hatte, dass das neu errichtete Hotel am Kurfürstendamm gemeinschaftlich geführt wurde.
Die Einigung ist kompliziert. Doch es lohnt sich einen genaueren Blick darauf zu werfen: Paul Spethmann, der auch schon während der NS-Zeit zur Leitung der Aschinger AG gehörte und maßgeblich an der Übernahme 1937 beteiligt war, wurde Vorstandsmitglied der neu gegründeten M. Kempinski & Co. GmbH. Sie wurde als Tochter der von Frederic Unger wiederbelebten OHG M. Kempinski & Co. geführt. Das Bistol Hotel am Ku-Damm wurde von der neu gegründeten Tochter eröffnet und von der Aschinger AG betrieben.
Jetzt kommt die 1926 von der Aschinger AG übernomme und mitte der 30er Jahre wieder eigenständig agierende Hotelbetriebs AG auf den Plan (ihr gehörte vor 1945 z.B. das berühmte Centralhotel). Sie ernannte 1952 Paul Spethmann zu ihrem Vorstandsvorsitzenden. Damit war er in allen drei relevanten Unternehmen in der Leitung tätig. 1952 ging die M. Kempinski & Co. GmbH dann an die Hotelbetriebs AG. 1970 wurde das Unternehmen schließlich in Kempinski Hotelbetriebs-AG und 1977 in Kempinski AG umbenannt.
(Die Entwicklung der Besitzverhältnisse habe ich in einem Dokument des Berliner Landesarchivs nachgelesen)
Ein Mitglied der Familie Kempinski proklamieren jedoch heute: „Keiner von uns hat jemals einen Pfennig Entschädigung bekommen", erklärte der 87jährige Fritz Teppich (Bruder von Mela Kempinski und Ehefrau des Mitgesellschafters Hans Kempinski) 2007 in einem Interview mit der Berliner Zeitung.
Am Bristol Hotel der Kempinski AG am Kurfürstendamm erinnert heute ein Schild an seine Namensgeber: „Das 1952 eröffnete Bristol Hotel Kempinski möchte, dass das Schicksal der Gründerfamilie nicht vergessen wird.“ Das Schild wurde dort 1994 nach langen Diskussionen und diversen Demonstrationen vor dem Hotel angebracht.
Auf der Website der Kempinski AG wird jedoch kein Wort darüber verloren. In der Rubrik „Über Kempinski“ wird zwar unter der Überschrift "Kempinski – Unser prestigeträchtiges Erbe ist der Grundstein für eine strahlende Zukunft" Bezug auf die über 100jährige Firmengeschichte genommen, aber dazu heißt es lediglich: „Die Marke Kempinski wird weltweit von einer wachsenden Kollektion an charakteristischen, erlesenen Hotels repräsentiert. Als Europas älteste Luxushotelgruppe bieten wir unseren Gästen unvergessliche Aufenthalte gepaart mit exquisitem europäischem Flair. Unser Credo: Leben Sie das Leben mit Stil. [….] Wir sind davon überzeugt, dass unser prestigeträchtiges europäisches
Erbe uns die einzigartige Möglichkeit gibt, die zukünftigen Bedürfnisse
des stilvollen, anspruchsvollen Reisenden vorhersehen zu können. [...] Seit dem Jahr 1897 kümmern sich unsere Mitarbeiter auf der ganzen Welt darum, Geschichte zu schreiben. Von historischen Gebäuden bis hin zu modernster Architektur – unsere Hotels bilden den Rahmen für einige der schönsten Momente im Leben. In unseren Häusern fanden bereits historische Treffen zwischen internationalen Staatsoberhäuptern statt; Prominente profitierten von der Abgeschiedenheit, die wir für Sie schufen; Gäste erlebten bei uns einmalige Aufenthalte mit unvergesslichen Erinnerungen.“ (Stand: 03.03.2012).
Ein Besuch der Website der Filliale am Kurfürsten-Damm hält für den Leser eine Chronik bereit, die die Namesgeber und ihre Geschichte deutlich erwähnt. Den Pfad von der Startsteite zur Chronik kann ich jedoch grad nicht nachvollziehen. Ich hab die Seite über Google Suche "Kempinski Geschichte" gefunden. Vielleicht kann da jemand von euch helfen?
Quellen:
Emmerich, M.: Alles verloren - nur der Hotelname blieb. In: Berliner Zeitung, (08.06.2007).
Klein, M.: Landesarchiv Berlin: Warenhaus Rudolph Hertzog. http://www.landesarchiv-berlin.de/php-bestand/arep225-pdf/arep225.pdf (abgerufen am 31. Mai 2011).
Potsdamer-Platz.org: M. Kempinski & Co. http://www.potsdamer-platz.org/kempinski.htm (abgerufen am 31. Mai 2011).
Lorenz, L.: Der «Erbe» der Kempinskis. In: Jüdische Zeitung, (Januar 2007).
Rheinische Post: Fritz Teppich, der letzte Spanienkämpfer. http://www.rp-online.de/politik/Fritz-Teppich-der-letzte-Spanienkaempfer_aid_656368.html (abgerufen am 31. Mai 2011).
Kempinski AG: Kempinski – Unser prestigeträchtiges Erbe ist der Grundstein für eine strahlende Zukunft. http://www.kempinski.com/de/About%20Kempinski/Seiten/AboutKempinski.aspx (abgerufen am 31. Mai 2011).
toll wie du die Informationen wieder alle zusammengetragen hast. Dein Artikel ist wie immer sehr interessant. Danke :-)
AntwortenLöschenlieber Wochenendgruß von Heidi-Trollspecht
Hallo Sarah-Maria,
AntwortenLöscheneine spannende und tragische Lebensgeschichte. Ich habe es wieder mit Genuss gelesen und danke Dir für den Artikel. In Bezug auf Chronik schaue ich mal rein.
Lieber Gruß Senna
Kannst Du vielleicht nicht ganz vergleichen, aber in Köln sind das die Gerlings (Industrieversicherer). Die haben in den 80er Jahren das halbe Friesenviertel (rund um den Friesenplatz herum) zusammengekauft, alles abgerissen und dort Ladenpassagen, Bürolandschaften usw. gebaut. Oder auch Lammerting, die sind im Westen von Köln präsent. Teilweise ist dies auf heftigen Widerstand gestoßen - wenn Wohnraum leergestanden hat, ist dort die Hausbesetzerszene aktiv geworden. In Köln hat sogar teilweise dieser Widerstand der Hausbesetzer Erfolg gehabt - einige bürgerliche Straßenzüge konnten so erhalten bleiben. Ist eigentlich auch ein interessantes Thema - Hausbesetzer.
AntwortenLöschenGruß Dieter
Oh ja.Ich hatte bis her auhc noch keine 12cm Schuhe und hab kürlich gemerkt das es schon etwas anderes als 10cm ist!Naja Übung macht bekanntlich den Meister!
AntwortenLöschenÜber die Kempinski's hatte ich kaum was in Erinnerung, ich wusste nur, dass mit Hotels ein Zusammenhang besteht.
AntwortenLöschenDeshalb finde ich es spannend zu lesen, was du in deinem Beitrag erwähnst.
Vielen Dank Sarah-Maria!
Liebe Grüße von Zaunwinde
Vielen Dank für eure Kommentare! Und Dieter, ja stimmt Hausbesetzungen sind echt ein interessantes Thema und daher poste ich jetzt mal was dazu. :)
AntwortenLöschenLiebe Grüße zu euch,
Sarah