Letztes
Wochenende war ich ja, wie ihr wisst, in Berlin und habe vor ein paar Tagen groß
angekündigt, dass es hier „bald“ einen Bericht über meinen Besuch der aktuellen
Sonderausstellungen im Pergamon-Museum gibt. Hüstel. Nun soll es endlich heute
soweit sein:
Pergamon
– Panorama der Antiken Metropole (30.09.2011 – 30.09.2012):
Zunächst
einmal ist festzuhalten, dass der Spaß mit 13 EUR (ermäßigt 6,50 EUR) elendig
teuer ist. Zu sehen ist die antike Stadt Pergamon zur Zeit des Frühjahrs 129 n.
Chr. in einer 360° Ansicht. Gestaltet wurde die 100x25 Meter Panorama-Ansicht
von Yadegar Asisis und ist echt riesig. Zuerst geht man diverse Treppen hinauf auf
eine Aussichtsplattform - und schließlich kann man das Ganze auch noch von
unten bewundern.
Die
Musik dazu wurde von dem Filmkomponisten Eric Babak komponiert und trifft
vermutlich den ästhetischen Geschmack von den meisten. Aber ich reagiere immer
ein bisserl allergisch auf so „atmosphärische Befindlichkeitsmusik“, die mit
Vorliebe zu monomentalen Naturaufnahmen gespielt wird. Daher hat sie mich eher
gestört als, dass sie mich zum Hineinträumen ins antike Geschehen animiert hat.
Aber wie gesagt, da bin ich eigen. Das dürften die meisten anders empfinden. Fazit:
durchaus eindrucksvoll, aber einfach viel zu teuer. Und Fotos sind leider, wieso auch immer (?!?!), tabu.
Im
Anschluss an das Panorama werden im Nordflügel des Museums etliche noch nie
gezeigte Exponate sowie diverse Leihgaben aus dem antiken Pergamon (frühe
Bronzezeit bis Spätantike) gezeigt. Erklärt wird neben der Grabungsgeschichte auch
das damalige Leben und der Aufbau der Stadt. Die Ausstellung ist multimedial
aufbereitet, es gibt aber leider keinen Audioguide. Dennoch, ist sie absolut
sehenswert!!
Besonders
fasziniert hat mich, dass in Pergamon das aller erste (Kunst)Museum überhaupt stand. Dort wurden alte Werke (Skulpturen, etc.) gesammelt und ausgestellt, aber
auch alte oder ausländische Kunststile nachgeahmt, um sie für die Nachwelt
festzuhalten. Ein weiteres Highlight war definitiv der Stammbaum der Götter.
Der Rentner Dieter Macek hat sich daran gemacht alle 7686 griechischen Götter
und Helden zu ordnen. Gestaltet wurde der Raum erneut von Asisi und soll mit
dem Deckenspiegel verdeutlichen, dass der Mensch im Zentrum steht und als
eigentlicher Schöpfer der Welt und dessen vielfältigen Entstehungsmythen gilt.
Roads
of Arabia – Archäologische Schätze Saudi-Arabiens (26. Januar – 09. April
2012):
Eine
tolle Ausstellung! Dennoch für jemanden, wie mich, der echt wenig Ahnung von
der Geschichte Saudi-Arabiens hat, nicht so einfach ad hoc einzuordnen.
Deswegen, um einen kleinen Mini-Überblick zu bekommen, würde ich empfehlen den
12-minütigen Dokumentarfilm zur Ausstellung, welcher eigentlich am Ende der
Ausstellung steht, am Anfang zu schauen. Man gelangt in den Vorführungsraum
gleich im ersten Ausstellungsraum, wenn man rechts durch den schwarzen Vorgang
geht. Ansonsten sollte man nicht vergessen sich einen kostenlosen Audioguide
mitzunehmen.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Ex-Bundespräsident Christian Wulff und
dem König von Saudi-Arabien Abdullah bin Abd al_Aziz Al Saud. Gezeigt
werden Exponate aus der Vor- und Frühgeschichte des Landes sowie aus der
Antike.
Besonders
interessant fand‘ ich die Geschichte der Verbreitung von kulturellem und
wissenschaftlichem Wissen durch die Karawanen sowie die Ausstellungsstücke der
Kaaba und die darum erklärte Stadtgeschichte Mekkas.
Alle
Ausstellungen, inklusive der Dauer-Ausstellung, gibt’s für 18 EUR (ermäßigt 15
EUR, Kinder 6-18 Jahre 5,50 EUR). Ist 'ne Stange Geld. Daher sollte man sich
schon ordentlich Zeit nehmen und die eine oder andere Pause einplanen. Für
Kinder gibt es in der Ausstellung „Roads of Arabia“ eine Betreuung sowie für
die Schulkinder zwei Geo-Quiz, die während des Besuches ausgefüllt werden
können.



Ein sehr interessanter Beitrag, danke! Vor allem die Pergamon-Ausstellung würde ich gerne besuchen. Wie schade, dass ich zu weit weg von Berlin wohne :(
AntwortenLöschenja ich war auch neulich in dem pergamon panorma, ehrlich gesagt war ich etwas enttäuscht. Ich fand es auch durchaus recht teuer, natürlich ist es beeindruckend, aber ich hatte mir eigentlich mehr erwartet. und die musik, ja sprechen wir besser nicht davon. tödlich fand ich auch das hundegebell. richtig gut hätte ich es gefunden wenn sie noch einen musikwissenschaftler dazugezogen hätten und versucht hätten alte musik, also musik ungefähr so wie sie damals gespielt wurde und wohl geklungen hat (ja ich weiß, man weiß das nicht aber vielleicht wäre es stimmiger gewesen)...
AntwortenLöschenxxx Anita
@Natalia: in Berlin gibt es sooo oft neue interessante Ausstellungen, so dass es sicher auch dann was tolles gibt, wenn du mal wieder eine Reise dorthin planst. :)
AntwortenLöschen@Anita: ja, ohne die beiden anderen Ausstellungen sowie der ständigen Ausstellung ist der Preis echt und definitiv zu teuer. Aber ermäßigte 15 EUR für alles finde ich gerade noch so zu verkraften. Zumal ja der Audioguide kostenlos ist – in den meisten Museen zahlt man dafür ja auch nochmal irgendwas zwischen 2 und 5 EUR.
Und das mit der historischen Musik habe ich auch gedacht, als ich da oben stand. Das hätte mich viel mehr interessiert – auch wenn’s „nur“ eine Annährung gewesen wäre.
Hallo, ich bin wohl 20 Jahre älter als Du und in Deinem Alter habe ich auch in Berlin- Steglitz gelebt, war politisch aktiv und habe ziemlich jedes Museum gekannt. Bin leider ein wenig eingeschlafen, was meine Kunst-Politikinteressen angeht und finde Deinen Blog wirklich erfrischend für meinen Geist.
AntwortenLöschenWünsche Dir noch einen schönen Abend.
LG Andrea
Was die antike Musik angeht, bin ich zwar kein Experte, aber hier ist eine Seite, wo einige überlieferte Melodien nachgespielt wurden:
AntwortenLöschenhttp://www.oeaw.ac.at/kal/agm/
Ich habe einen Kanal auf Youtube, wo ich Untertitel zu russischen/sowjetischen Animationen online stelle; darunter gibt es eine Animaton "Herakles bei Admetus", wo eine moderne Interpretation wohl antiker griechischer oder einfach nur volkstümlicher Melodien vorhanden ist:
http://www.youtube.com/watch?v=1cOZyj6rkE4&feature=plcp&context=C4acdf8aVDvjVQa1PpcFNuGf2VvfNn3EPhJqQGUpqT6bVN79I0ESE%3D
Persönlich bin ich der Meinung, dass noch sehr Vieles aus der Antike in der Moderne fortlebt, es ist bloß so, dass nur sehr wenige sich damit beschäftigen, weshalb auch die Meinung herrscht, dass sie tot ist und vergessen werden muss.
deine Info ist wieder sehr interessant. Und toll finde ich auch deine praktischen Hinweise und Tipps.
AntwortenLöschenNaja - und dass mir deine Fotos auch immer gefallen weißt du ja inzwischen ... :-)
ich wünsche dir Morgen einen guten Start in die neue Woche - Gruß vom Specht
Deinen Beitrag finde ich sehr interessant, Sarah-Maria. Die Eintrittspreise können sich nicht alle Kunstinteressierten leisten, schade eigentlich. Das Thema ist wirklich interessant und sollte allen Leuten zugänglich sein.
AntwortenLöschenDu hast deine Besuche wieder sehr eindruckvoll geschildert..vielen Dank!
♥lichst Zaunwinde
@Andrea: Herzlich willkommen! Es freut mich, dass es dir hier bei mir gefällt und hoffe, dass wir uns hier bald wiederlesen. :)
AntwortenLöschen@Natalia: vielen lieben Dank für deine beiden tollen Links!! Dabei fällt mir ein, dass es ja bereits in der Renaissance Wissenschaftler gab, die sich mit der Wiederbelebung der antiken Musik und des antiken Theaters beschäftigt haben (z.B. der Vater von Galileo Galilei). So ist damals, quasi zufällig, die Oper entstanden: http://opernblog.blogspot.de/2010/11/schon-gewusst-dass_29.html
@Trollspecht: Danke! Und dir wünsche ich auch eine spannende und schöne neue Woche. :)
@Zaunwinde: ja, das mit den Preisen ist schon enorm. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Preis ja schon durch staatliche Subventionen nach unten gedrückt ist. Kunst ist teuer und es ist immer auch eine Frage der Politik, wie viel sie es sich kosten lässt, um Kunst und Bildung (möglichst auch für alle) zugänglich zu machen. Allerdings sollte man, wenn man sich über die Preise beschwert auch immer bedenken, dass man für einen 3D-Kinofilm auch nicht wesentlich weniger bezahlt – das leisten sich die meisten ja auch ab und an einmal…. Und zudem gibt es ja auch noch Ermäßigungen für Kinder, Studenten und Arbeitslose. Arbeitslose kommen in Berlin z.B. oftmals sehr, sehr günstig überall rein. Im Pergamon-Museum weiß ich es jetzt nicht genau, aber in der Oper können sie z.B. eine Stunde vor der Vorstellung alle noch verfügbaren Karten für 4 EUR kaufen.
Hallo Sarah-Maria,
AntwortenLöschenich finde es schön, dass du uns an Ausstellungen in Berlin teilhaben lässt, wenn ich nicht in der Lage bin, etwa 600 km nach Berlin zu fahren, um mir eine Ausstellung anzusehen. Die 360 Grad-Ansicht von Pergamon hätte mich bestimmt fasziniert. Meines Wissens gibt es bei uns im Rheinland nichts aus der griechischen Antike zu sehen. Diese ganzen griechischen Mythologien (Homer, Odyssee, Iphigenie, Sisyphos, Zeus, Tantalos usw.) muss ich dringend noch einmal nachlesen, weil ich sie durcheinander schmeiße und kaum noch etwas darüber weiß. Im Rheinland haben wir einiges aus der Römerzeit zu bieten. So gibt es in Xanten einen riesengroßen archäologischen Park. Riesengroß ist auch das römisch-germanische Museum in Köln, wo man sich u.a. das Dionysos-Mosaik ansehen kann.
Gruß Dieter