Gesche Margarethe Gottfried, geb. Timm wurde am 6. März 1785 in Bremen geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Elternhaus stand in der Pelzerstraße auf dem heutigen Gelände des Parkhaus Mitte.
1806 heiratete sie den Sattlermeister Johann Millenberg von schräg gegenüber. Mit der – wohl nicht ganz freiwilligen – Hochzeit schaffte sie den gesellschaftlichen Aufstieg ins Bremer Bürgertum. Doch die Ehe war alles andere als glücklich. Ihr Mann trieb sich hautsächlich in Kneipen rum, schlug sie und litt (vermutlich durchaus selbst verschuldet) an der Syphilis.
Gesche bekam mit ihrem ersten Mann vier Kinder – von denen nur drei vorerst überlebten. Doch schließlich starben auch sie innerhalb eines Jahres (1815). Im selben Jahr segnete auch ihre Eltern das Zeitliche. Bereits zwei Jahre zuvor verstarb außerdem ihr Mann am 1. Oktober 1813 recht plötzlich. Noch während ihrer Ehe begann sie eine Liebschaft mit dem Weinhändler Paul Thomas Zimmermann, den sie ein Jahr später, auf seinem Totenbett ehelichte. 1822 verlobte sie sich mit dem Modehändler Paul Thomas Zimmermann. Jener überlebte die Liebschaft auch nur knapp ein Jahr. Nach dem Tod ihres Verlobten verkaufte sie ihr Haus und arbeitete bei den neuen Eigentümern als Haushälterin. Und auch die Hausherrin verstarb plötzlich.
In Bremen hatte sie längst den Namen „Engel von Bremen“, weil sie sich so aufopferungsvoll um all ihre dem Tode geweihten Freunde und Verwandten kümmerte und trotz der schweren Verluste nicht den Lebensmut verlor. Erst an ihrem 43. Geburtstag im Jahre 1828 wurde sie verhaftet und angeklagt 15 Menschen mit Arsen vergiftet zu haben. Ihr Hausherr hatte im Essen „seltsame weiße Substanzen“ entdeckt und sie zu seinem Hausarzt Dr. Luce gebracht.
„Den Tag kam Herr Doktor Luce vorgefahren und blieb eine geraume Zeit bei Herrn Rumpff. Du bist verraten, sagte mir mein Gewissen; Gott hat dieses so gefügt. Was tust du, gehst du hinunter, fällst Herrn Rumpff und Herrn Doktor Luce zu Füßen, bittest, dass sie dich nicht verraten?“ erinnerte sich Gesche später an den Tag ihrer Verhaftung.
Vergiftet hat sie ihre Opfer mit sogenannter Mäusebutter. Der mit Arsen versetzte Schmalz zum Töten von Ratten und Mäusen war damals Bestandteil eines jeden Haushaltes und konnte in jedem x-beliebigen Krämerladen gekauft werden. Gesche kaufte ihr Gift stets und ohne Verdacht zu erwecken z.B. auf dem Rathausplatz in dem Lädchen „Grasmarkt“ oder auch in der Rats-Apotheke. Erst nachdem die Morde entdeckt worden waren, veranlasste der Bremer Senat, dass der Verkauf von Arsen fortan nur noch Apothekern unter strengen Auflagen möglich war.
Gesche gestand die Morde sehr schnell. Neben den schon angeführten Personen hatte sie außerdem ihre Eltern, ihren Bruder, ihren Nachbarn Johann Mosees, ihre Klavierlehrerin Anna Lucia Meyerholz, die 3jährige Tochter ihrer Dienstmagd sowie kurz darauf auch die Magd und als letztes Opfer ihren Gläubiger Friedrich Kleine auf dem Gewissen. Zudem überlebten weitere 19 Personen ihre Giftanschläge nur knapp.
Im Laufe des Prozesses wurde klar, dass sie durchaus hätte früher gestoppt werden können. Denn es gab schon länger diverse Gerüchte, dass die von ihr zubereiteten Speisen mit Vorsicht zu genießen seien und Betroffene, nur knapp Entronnene, sind zudem ihren Krankheitssymptomen nie nachgegangen. Sogar Ärzte hatten sich mitschuldig gemacht, indem sie z.T. falsche Todesursachen diagnostizierten, um die "vom Schicksal gebeutelte" Gesche nicht noch mehr zu belasten.
Sie saß drei Jahre in Haft. Zuletzt im Wilhelm-Wagenfeld-Haus, bis sie schließlich am 21. April 1831 als letzte Person in der Bremer Geschichte öffentlich auf dem Domshof hingerichtet wurde. Damals kamen mehr als 30.000 Menschen, um ihrer Enthauptung beizuwohnen. Anschließend wurde ihr Kopf in Spiritus eingelegt und ausgestellt. Und auch ihr Skelett wurde verwahrt. Im Zweiten Weltkrieg verbrannten ihre sterblichen Überreste jedoch.
Als Mahnmal gilt heute der „Spuckstein“. Jener unscheinbare Stein, mit einem Kreuz in der Mitte, liegt 18 Meter vor der Nordwand des Bremer Doms und auf ihn wird traditionell voller Verachtung gespuckt. Welche Stelle der Stein genau markiert ist unklar. Eine Theorie besagt, dass dort das Schafott gestanden haben soll, eine andere, dass dort der abgeschlagene Kopf „gelandet“ ist.
Quellen:
Radio Bremen: Giftmörderin Gesche Gottfried. http://www.radiobremen.de/wissen/dossiers/gesche/gesche130.html (abgerufen am 29. Juni 2011).
Bremer Geschichtenhaus: Bremens bekannteste Giftmörderin. http://www.bremer-geschichtenhaus.de/de/ausstellung/gesche-gottfried.html (abgerufen am 29. Juni 2011).
Beim 5. Todesfall wurde ich hellhörig! Als Krimileser bin ich ja häufig am rätseln wer wohl der Täter ist.
AntwortenLöschenWahnsinn, sie hat ja die Leute reihenweise umgebracht, schon eigenartig, dass niemand misstrauisch wurde.
Vielen Dank für deine interessante und spannende Geschichte, Sarah-Maria.
♥lichst Zaunwinde
Hallo Sarah-Maria,
AntwortenLöschenich kenne den Fall vom sog. "Todesengel von Bremen" und es ist immer wieder dramatisch es zu lesen und dem Lauf nachzufolgen. Sehr gut zusammengefasst!
Einen lieben Wochenendgruß von Senna
Stimmen den "Vorrednern" zu.
AntwortenLöschenEmpfehle den TV-Spielfilm "Gesche Gottfried" (1978) von Karl Fruchtmann. Der war beeindruckend.
http://www.imdb.com/title/tt0077604/
Grüße
danke für den spannenden Samstagabend-Krimi :-)
AntwortenLöschenlieber Gruß von Heidi-Trollspecht
Hallo Sarah-Maria,
AntwortenLöschendas ist ja eine grausige Geschichte ! Ich muss bei uns einmal die Augen offen halten, eine solche Mordserie gibt es bestimmt auch in unserer Gegend.
Trotzdem schönen Abend
Dieter