Thea von Harbou war eine der bekanntesten deutschen Drehbuchautorinnen überhaupt. Sie wurde 1888 in Tauperlitz bei Hof geboren. Und bereits mit 17 Jahren druckte die Berliner Deutsche Zeitung ihren ersten Roman „Wenn’s Morgen wird“. Ein Jahr später stand sie in Düsseldorf zum ersten Mal auf einer Schauspielbühne. Es folgten weitere Engagements, doch 1913 gab sie zugunsten der Schriftstellerei ihre Schauspielkarriere auf.
Im September 1914 heiratete sie den Regisseur und Schauspieler Rudolf Klein-Rogge mit dem sie 1918 schließlich nach Berlin zog. Dort trennten sie sich noch im selben Jahr. Dennoch verschaffte Thea von Harbou ihm weiterhin wichtige Rollen: z.B. die Hauptrolle in „Dr. Mabuse - ein Spieler“. Der Film basierte auf ihrenm Drehbuch - und Fritz Lang, den sie 1922, ein Jahr nach der offiziellen Scheidung, heiratete, führte die Regie. Sie waren in den Berliner 20er Jahren eines DER Promi-Paare überhaupt.
Fortan arbeiteten die beiden eng zusammen z.B. in "Die Nibelungen" oder „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ - einer der ersten deutschen Tonfilme überhaupt (1930). Sicherlich am bekanntesten dürfte aber der Film „Metropolis“ (1927) sein. Dort führte Fritz Lang die Regie und Thea von Harbou lieferte das Drehbuch. Metropolis war der bis dato teuerste Film, der je gedreht wurde. Über 620.000 Meter Negativmaterial und 1.300.000 Meter Positivmaterial wurden in 310 Drehtagen und 60 Nächten aufgenommen. Das anfangs angenommene Budget von 1,5 Millionen Mark vervierfachte sich im Laufe der Dreharbeiten und brachte die UFA in ernste finanzielle Schwierigkeiten.
Der Film spielt in der Zukunftsstadt Metropolis und handelt von dem Kampf zwischen Arm und Reich. Mittels einer schichtübergreifenden Liebesbeziehung stellt sich das Paar schließlich gegen die Ausbeutung und am Ende reichen sich Arm und Reich die Hand. Harbou kommentierte: „Das Herz versöhnt Hand und Hirn.“
Doch der Film fiel bei den Kritikern durch: der Medientheoretiker Rudolf Arnheim schrieb: "Die Stadt Metropolis ist auf einem Sand gebaut, der unfruchtbarer ist als der märkische in Neubabelsberg - auf dem Manuskript der Thea von Harbou. Was diese auch anfasst wird goldig, und kommt sie einmal an einen ernsthaften Stoff, so treibt sie mit Entsetzen Kitsch." Noch schärfer formulierte es der Schriftsteller H.G. Wells: "Fritz Lang verabreicht in ungewöhnlicher Konzentration nahezu jede überhaupt mögliche Dummheit, Klischee, Plattheit und Kuddelmuddel über technischen Fortschritt; serviert mit einer Sauce von Sentimentalität, die in ihrer Art einzigartig ist."
Und auch Fritz Lang distanzierte sich später von seinem Werk: "Die Hauptthese war von Frau Harbou, aber ich bin wenigstens zu 50 Prozent verantwortlich, weil ich den Film gemacht habe. Ich war damals nicht so politisch bewusst wie ich es heute bin. Man kann keinen gesellschaftlich bewussten Film machen, indem man sagt, der Mittler zwischen Hand und Hirn sei das Herz. Ich meine, das ist ein Märchen, wirklich."
Die Arbeitsgemeinschaft zwischen Lang und Harbou hielt bis zur Emigration nach der Machtergreifung der Nazis von Fritz Lang 1933. Ihre Ehe ging jedoch bereits 1931 zu Bruch. 1933 ließen sie sich scheiden und Harbou lebte fortan zusammen mit dem Inder Ayi Tendulkar in Berlin.
Während der NS-Diktatur war Thea von Harbou eine gefragte und vielbeschäftigte Drehbuchautorin. Sie schrieb z.B. das Drehbuch zu dem Film „Der Junge und der alte König“, „Der Herrscher“ oder zu dem Propagandafilm "Das Leben geht weiter". 1945 wurde sie im Rahmen des Entnazifizierungsprogramm kurz inhaftiert. Bereits 1948 fing sie wieder im Bereich der Synchronisation an zu arbeiten.
1954 stürzte sie beim Verlassen eines Kinos, dass einen ihrer ersten Filme „Der müde Tod“ (1921) erneut aufführte. An den Folgen des Sturzes starb sie schließlich am 1. Juli 1954 in Berlin. Ihr Grab befindet sich auf dem Berliner Waldfriedhof Heerstraße.
Quellen:
Maxim Gorki Theater Berlin: Thea von Harbou. http://gorki.de/de_DE/ensemble/detail/39511 (abgerufen am 29. Februar 2012).
Galli, M.: Berlin, die Kunststadt. München: Bucher, 2009.
Film-Zeit.de: Thea von Harbou. http://www.film-zeit.de/Person/11585/Thea-von-Harbou/Biographie/ (abgerufen am 29. Februar 2012).
Spiegel Online: Kalenderblatt: 10.1.1927. http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1154/_metropolis.html (abgerufen am 29. Februar 2012).
Hallo Sarah-Maria,
AntwortenLöschenum mich dem Thema zu nähern, habe ich zu Metropolis in Google gesurft. Obwohl ich kaum welche gesehen habe, haben mich Stummfilme immer interessiert, weil ohne Worte dies durch Bilder, Spannung, Gestik, Handlung oder sonstwie ausgeglichen werden muss. Daher habe ich alles von Charlie Chaplin klasse gefunden. In der Handlung wird ja das Arbeiterleben thematisiert, welches von Maschinen und der Fabrikproduktion bestimmt wird. Das sind grundsätzlich Themen, die mich auch in der Gegenwart interessieren. Zu dem Film habe ich mir den Trailer der Neufassung 2010 in Youtube angesehen. Das alles sieht hochinteressant und spannend aus (du hättest wahrscheinlich auch einen separaten Blog nur über diesenm Film schreiben können). Mit Thea von Harbou habe ich mich im nächsten Schritt nicht mehr beschäftigt. Du beschreibst ja eine Schauspielerkarriere, wie man sie in ähnlichewr (oder abgewandelter) Form auch bei aktuellen Schauspielern vorfindet. Also welche Filme mit welchen Themen gedreht werden, mit welchen Regisseuren zusammengearbeitet wird usw. Schauspieler mit eine gewissen Anzahl von Ehescheidungen wird es auch in der Gegenwart geben. Die Form finde ich noch interessant, dass du eine Art Biografie beschreibst. In meinem Blog schwebt mir so etwas auch in meinem Kopf ehrum, ich habe mich aber noch nicht so richtig heran gewagt.
Gruß Dieter
Ich möchte auf ihren Roman "Das indische Grabmal" (1918) hinweisen, der bisher dreimal verfilmt wurde. Die zweiteilige Version von 1938 (Der Tiger von Eschnapur - Das indische Grabmal) lief diverse Male sonntags im ZDF und wurde sicherlich von vielen Menschen gesehen und hatte in ihrer Bildmächtigkeit bis heute Einfluss auf die Stereotypen über Indien.
AntwortenLöschenBeeindruckend dein Kommentar, Sarah-Maria! Das Leben anderer Menschen finde ich meistens sehr interssant, ein zeitlange hab ich überwiegend Biografien gelesen.
AntwortenLöschenIch lese deine Bericht unheimlich gerne...
Herzlichen Dank und liebe Grüße von Zaunwinde
@Dieter: Vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, das stimmt sicherlich, dass man auch dem Film Metropolis einen eigenen Eintrag hätte widmen können. Er ist ja schließlich schon fast ein eigener Mythos. ;)
AntwortenLöschen@Ulaya: Danke für deine Ergänzung! Zumal ich den Film sogar selbst schon mal gesehen habe.... ;)
@Zaunwinde: Ich lese auch sehr gerne in Biographien – sie geben einem die Möglichkeit Geschichte/ eine andere Zeit nachzuempfinden….