Am 23. März 1945 befahl das Luftwaffenkommando die Straße des 17. Juni (damals Ost-West-Achse) als Start- und Landebahn zu nutzen. Die Rote Armee war auf dem Vormarsch nach Berlin. Schon ein Monat zuvor wurden die Lehrveranstaltungen der Universität eingestellt, denn immer mehr Studenten und Lehrende wurden nun auch zum „Volkssturm“ eingezogen. Bereits am 19. März unterzeichnete Hitler den Befehl: „Alle militärischen Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die sich der Feind zur Fortsetzung seines Kampfes irgendwie sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann, sind zu zerstören“ (auch bekannt als „Nerobefehl“ bzw. „Befehl verbrannte Erde“).
Indes ging es der Berliner Bevölkerung zunehmend schlechter. Viele waren obdachlos und die Nahrung war knapp. Am 5. April 1945 veröffentlichte die NSDAP Richtlinien zur Ernährung der Bevölkerung. Darin wurden als wichtige Nahrungsquellen Kastanien, Eicheln, Klee, Luzerne, Frösche und Schnecken genannt. Elf Tage später verkündete Hitler den offiziellen Beginn der Verteidigung Berlins: „Berlin bleibt deutsch, Wien wird wieder deutsch“. Zwei Tage später erkläre auch die Rote Armee die Offensive gegen Berlin. Am 20. April wurden die letzten Luftangriffe auf Berlin geflogen.
Schon einen Tag später besetzte die Rote Armee Frohnau, Niederschönhausen und Teile des Bezirks Lichtenberg. Am selben Tag konnten die Menschen im KZ-Sachenhausen befreit werden und Goebbels ließ im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt Arien aus der Oper „Tosca“ singen. Am 22. April erreichte der letzte Post- und Kohlezug Berlin und die Berliner Feuerwehr folgte dem Befehl mit 1400 Löschfahrzeugen die Stadt zu verlassen. In der Nacht wurden 15 politische Gefangene aus dem Gefängnis Lehrter Straße (Moabit) durch Genickschüsse hingerichtet. Am nächsten Morgen rief die Frontzeitung „Der Panzerbär“ dazu auf Berlin mit allen Mitteln zu verteidigen und jeden Verräter sofort zu töten. Noch am selben Tag wurden zwei junge Soldaten unter den Bögen nahe der Station Friedrichstraße von SS-Männern erhängt. Sie hatten ihr „Sturmgeschütz nicht in dem Zustand gehalten, wie es der Führer befahl.“ Ebenfalls an diesem Tag wurden aus den Beständen der Roten Armee 6000t Mehl, 1250t Fleisch, 75t Schweinespeck, 12000t Kartoffeln, 550t Salz, 500t Zucker und 65t Kaffee der Berliner Bevölkerung zur Verfügung gestellt.
Am 25. April wurde auch die letzte U-Bahn-Linie Wittenbergplatz-Ruhleben stillgelegt. Zwei Tage später rückten sowjetische Soldaten bis zum Halleschem Tor in Kreuzberg vor. In der Nacht des 29. April unterschrieb Hitler um 4:00h sein Testament und heiratete wenige Stunden später Eva Braun. Einen Tag später begingen beide Selbstmord. Ihre Leichen wurden von SS-Männern verbrannt. Indes fanden schwere Kämpfe um das Regierungsviertel statt. Am 1. Mai hissten sowjetische Soldaten die Rote Fahne auf dem Reichstagsgebäude und Joseph Goebbels tötete sich zusammen mit seiner Frau selbst. Zuvor hatte Magda Goebbels ihre sechs Kinder ermordet. Währenddessen hatten General Hans Krebs und der Generaloberst Wassili I. Tschuikow in Tempelhof bereits mit ersten Waffenstillstandsverhandlungen begonnen.
Am 2. Mai wurde die Rote Fahne auch auf dem Brandenburger Tor gehisst. Am selben Tag, wenige Stunden vor der Kapitulation Berlins, sprengten SS-Leute die Tunneldecke unter dem Landwehrkanal. So, dass das Wasser ungehindert in das Tunnelsystem der U-Bahn eindringen konnte. Die genaue Opferzahl ist unbekannten. Schätzungen zufolge verloren aber etwa 100 Menschen ihr Leben. Sie hatten sich dort vor den Kämpfen versteckt. Gegen 15:00h wurden die Kampfhandlungen offiziell eingestellt. Und schließlich wurde heute vor 67 Jahren, am 8. Mai 1945, die bedingungslose Kapitulation Deutschlands unterzeichnet.
Berlin lag in Trümmern: 85 Brücken waren zerstört, 251 Schiffe waren auf den Grund der Seen, Flüsse und Kanäle gesunken, 1118 Straßenbahn-Wagen beschädigt - davon 420 komplett zerstört. Von den einstmals 900 Omnibussen waren nur noch 18 betriebsfähig. Und von dem 7000km langen Gasrohrnetz nur noch 14km einsatzfähig. Berlin war ohne Trinkwasser und Strom. Mit den Trümmern der Stadt hätte man einen 5 Meter breiten und 30 Meter hohen Wall von Berlin bis nach Köln bauen können.
Weltweit verloren im Zweiten Weltkrieg etwa 50 Millionen Menschen ihr Leben. Die Sowjetunion hatte 25 Millionen Menschenleben zu beklagen und Polen verlor 17% seiner Bevölkerung. Bei den deutschen Bombenangriffen am 23. August 1942 über Stalingrad starben von den 450.000 Einwohnern rund 40.000 Zivilisten. Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 starben von den etwa 550.000 Einwohnern bis zu 25.000 Menschen. In Deutschland verloren insgesamt 3,8 bis 4 Millionen Wehrmachtssoldaten und 1,65 Millionen Zivilisten ihr Leben. Die Deutschen hatten in ihren Konzentrations- und Arbeitslagern 6 Millionen jüdische Menschen grausam ermordet.
Quellen:
Deutsches Historisches Museum: Kriegsverlauf. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/index.html (abgerufen am 15. Juni 2011).
Edition Luisenstadt: Chronik. Berlin im Jahr 1945. http://www.luise-berlin.de/kalender/jahr/1945.htm (abgerufen am 15. Juni 2011).
Deutsches Historisches Museum: Die Bombardierung von Dresden. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/dresden/index.html (abgerufen am 15. Juni 2011).

Hallo Sarah-Maria,
AntwortenLöschenpassend zum heutigen 8. Mai hast du dies sehr bewegend erzählt und mich bewegt es auch immer wieder, Filme, Berichte oder Dokumentationen über den 2. Weltkrieg zu sehen. Dieses Maß an Zerstörung, dieser systematisch betriebene Völkermord, die Konzentrationslager. Ganz schlimm finde ich, dass die Masse mitgemacht hat und sich nicht widersetzt hat. Bei uns im Rheinland war der 2. Weltkrieg ja eher zu Ende wie in Berlin. Gegen Ende des 2. Weltkrieges haben sich mir die Schlachten in der Nordeifel nach der Eroberung von Aachen eingeprägt, wo die deutschen Truppen die Alliierten wieder zurückgedrängt haben. Dann folgte die Ardennen-Offensive, diese wurde zurückgeschlagen, und von ca. Januar bis März 1945 stagnierte die Kriegsfront an der Rur. Die Städte längs der Rur - angefangen von Roermond in den Niederlanden bis Düren - gehören zu den am stärksten zerstörten Städten im 2. Weltkrieg, weil die Alliierten mit aller Macht den Widerstand der deutschen Truppen brechen wollten.
Gruß Dieter
Solche Berichte stimmen mich immer wieder aufs neue traurig.
AntwortenLöschenSo viele verlorene Jahre hat diese Zeit den Menschen gebracht. Sie hatten Träume und Wünsche und mussten täglich um ihr Leben fürchten und viele Entbehrungen auf sich nehmen und die Verursacher dieser schrecklichen Zeit sahen nicht mal ein, was sie angerichtet hatten.
Ich finde deinen Bericht sehr gelungen, Sarah-Maria, er zeigt realistisch das Elend dieser letzten Tage des Krieges.
♥lichst Zaunwinde
Ich danke euch für eure Kommentare. Der 8. Mai war und ist einerseits ein Feiertag, weil das Grauen 1945 endlich ein Ende hatte, aber es war so viel zerstört – vielmehr haben die Deutschen zugelassen, dass so vielen und vielem das Leben genommen wurde, dass es wohl nur noch eine Erlösung war. Zu feiern gab’s nix mehr....
AntwortenLöschenUnd, Dieter, danke auch dafür! Das klingt, als wenn ich da mal genauer nachlesen muss....
Hallo, Sarah-Maria!
AntwortenLöschenvielen Dank für deinen Kommentar und entschuldige erstmal, dass ich mich auf deinem Blog schon so lange nicht mehr blicken lassen habe.
Danke, dass du über diesen Tag geschrieben hast. In Russland wird das Kriegsende immer am 9. Mai sehr groß gefeiert, aber auch Veterane, die in anderen Ländern wie den USA oder Israel leben, feiern mit.
Ach so, noch eine FRage - es steht da, Polen verlor 17% seiner Bevölkerung - sind damit "richtige" Polen gemeint oder steht diese Zalh eigentlich für die jüdisch Bevölerung oder sind es die ausgewanderten Deutschen?
AntwortenLöschenSarah-Maria,
AntwortenLöschenich finde es toll, dass du dieses Thema auf deinem Blog einen Raum gibst.
Wir, die wir diese schlimme Zeit nicht erlebt haben, können uns gar keine Vorstellungen machen, welche Nöte die Menschen seinerzeit durchlebten.
Aber wir sollten uns immer wieder daran erinnern und auch unseren Nachfahren davon berichten und hoffe, dass eine solch schlimme Zeit nie mehr wieder kommen wird.
LG Christa
@Natalia: Ich habe die Zahl von der Website des Deutschen Historischen Museums Berlin. Dort steht wörtlich: "Relativ zur Bevölkerungszahl hatte jedoch Polen den höchsten Blutzoll entrichtet: Rund 6 Millionen tote Polen entsprachen etwa 17 Prozent der Vorkriegsbevölkerung."
AntwortenLöschenIch nehme daher an, dass es sich um alle handelt, die eine polnische Staatsbürgerschaft hatten.