Freitag, 29. Juni 2012

revolution à la lola montez

Elizabeth Rosanna Gilbert wurde am 17. Februar 1821 in einem kleinen irischen Dorf namens Grange geboren. Ihre Eltern waren der englischer Offizier Edward Gilbert und die vom irischen Landadel abstammende Eliza Oliver. Als die Familie 1823 nach Kalkutta ging, starb der Familienvater kurz darauf an der Cholera.

Mit 17 Jahren brannte Elizabeth von zu Hause durch und heiratete den Offizier Thomas James. Zwei Jahre später, 1839, ging sie mit ihm erneut nach Indien – dort trennten sie sich und Elizabeth kehrte ohne ihn zurück nach England.

Zurück in London gab sie sich selbst den Namen Lola Montez und trat im Juni 1843 erstmals als Solotänzerin auf. Sie gab vor aus Sevilla zu stammen, doch ihr Schwindel flog schnell auf und sie verließ die Stadt. Fortan gastierte sie mit ihrer Show u.a. in Sankt Petersburg, Warschau, Berlin, Dresden und Paris.

Überall dort, wo sie auftrat, folgte ein Rattenschwanz von kleinen und größeren Skandalen, die nicht selten darin endeten, dass sie der jeweiligen Stadt verwiesen wurde. In Frankreich kam es z.B. zu einem in der Klatschpresse viel beachteten Prozess, nachdem ihr Liebhaber in einem Duell erschossen worden war.

Sie hatte zahlreiche Affären: z.B. mit der, laut des namenhaften Musikkritiker Eduard Hanslick, damals „unstreitig bekannteste Persönlichkeit Europas“ Franz Liszt. Der Komponist und Ausnahmepianist, soll ihr einigen Quellen zufolge sogar ein Empfehlungsschreiben verfasst haben, damit sie in der Pariser Kunstszene Fuß fassen konnte. Und das obwohl sie eine eher mäßige bis schlechte Tänzerin war.

Den Vogel abgeschossen in Sachen Skandal hat sie allerdings in München: als sie sich dort im Oktober 1846 um ein Engagement am Münchener Hof- und Nationaltheater bemühte, wurde sie zwar abgewiesen, konnte aber König Ludwig I. himself von sich überzeugen. Einer Legende nach soll der König sie während ihrer Audienz gefragt haben, ob ihr üppiger Busen „Natur oder Kunst“ sei, woraufhin sie eine Schere nahm, ihr Kleid und Korsett aufschnitt und alle Zweifel ausräumte.

Lola bekam schließlich ihren Auftritt. Jedoch überzeugte sie weniger mit tänzerischen Qualitäten, als mit ihrer doch recht freizügigen Darbietungsform. Der Hoftänzer Laroche vermerkte über Lola Montez in seinem Tagebuch: „[…] eine spanische Tänzerin so schlecht, wie es keine zweite gibt, betrat unsere Bühne zweimal und wurde ausgezischt und gerufen. Sie trat von der Bühne ab, um im Privatleben eine zu spielen, von der ganz Bayern spricht.“

Und damit untertrieb der Hoftänzer eher, denn schon bald wurde sie die Geliebte des 60jährigen Königs. „Ich kann mich dem Vesuv vergleichen, der für erloschen galt, bis er plötzlich wieder ausbracht. […] wie ein Jüngling von 20 Jahren! […] Die Leidenschaft erhob mich wie nie zuvor in des Himmels Höhen“, schrieb er an einen Freund. Er verehrte sie, kaufte ihr 1846 sogar ein Stadtpalais in der Barer Straße 7 und ließ es opulent einrichten. Innerhalb von einem Jahr gab der König mehr als 100.000 Gulden für Lola aus - während der am besten bezahlteste Professor der Universität damals in einem Jahr ca. 2000 Gulden verdiente. Schließlich wollte er seiner Geliebten 1847 auch noch die bayrische Staatsbürgerschaft zuerkennen, doch seine Minister hielten dagegen und das Kabinett unter Karl von Abel trat geschlossen zurück. Der König hielt dennoch an seinem Kurs fest und ernannte sie kurz darauf zur Gräfin von Landsfeld.

Unterstützt wurde sie außerdem von der Studentenverbindung Corps Alemannia. Mit dessen Mitglied Elias Peißner sie zudem eine länger Liebesaffäre unterhielt. Lola Montez war zudem die erste Frau, die sich mit Zigarette fotografieren ließ. Sie schlug ihr Personal und lief „bewaffnet“ mit einer Reitpeitsche durch die Straßen. Einmal setzte sie sie gar gegen einen Polizisten ein. Das Maß war voll! Die Münchener wollten die verschwenderische Affäre ihres Regenten nicht länger dulden. Sogar des Königs Hofarchitekt Leo von Klenze bezeichnete seinen Vorgesetzten als „Hurenhengst“.

Die Affäre um Lola Montez entwickelte sich in München schließlich zum Katalysator der 48er-Revolution. Die Einwohner demolieren ihr Palais und jagten sie am 11. Februar 1848 aus der Stadt. Und selbst die Polizei schrieb sie gegen den Willen des Königs zur Fahndung aus. Daraufhin dankte Ludwig I. ab: „Da war’s mir unausstehlich, länger auf dem Thron zu sein.“
Nach ihrer Flucht lebte Lola zunächst im Schweizer Exil, bis sie 1849 nach England zurückkehrte und dort zwei Jahre später ihre Memoiren veröffentlichte. Schließlich wanderte sie in die USA aus. Am Broadway spielte sie sich selbst in dem Stück „Lola Montez in Bavaria“, reiste kurz darauf weiter an die Westküste und ließ sich schließlich in der kalifornischen Goldgräberstadt Grass Valley nieder. Sie schloss zwei weitere Ehen und ging 1855 auf eine Tournee nach Australien. Zurück in den Staaten schrieb sie Schönheitsratgeber und setzte sich für „gefallene Mädchen“ ein. So wurden früher Frauen genannt, die schon vor ihrer Ehe ein Sexualleben hatten.

1861 starb sie kurz vor ihrem 40. Geburtstag in New York an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde auf dem Greenwood-Friedhof in Brooklyn begraben.

Quellen:
Münchener Stadtmuseum.: Lola Montez. http://www.stadtmuseum-online.de/archiv/lola.htm (abgerufen am 29. Juni 2011).
Sueddeutsche.de: König-Geliebte und Broadway-Star. http://quiz.sueddeutsche.de/quiz/2081641791-lola-montez--150--todestag (abgerufen am 29. Juni 2011).
BR Online: Erinnerung an Lola Montez. http://www.br-online.de/bayern1/mittags-in-muenchen/muenchen-lola-montez-todestag-ID1295023929818.xml (abgerufen am 29. Juni 2011).


Kommentare:

  1. Hej Sarah-Maria,

    Schein und Sein, ich bin der Überzeugung, dass unsere Zeit an einer Lola-Montez-Seuche leidet.

    Herzlichst aus Schweden
    smultron

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  2. Ein bewegtes Leben mit viel Wirbel um diese Person. Sie scheint es verstanden zu haben, sich "in Szene" zu setzen und auf sich aufmerksam zu machen. Ein interessanter Beitrag !
    Viele Grüße Synnöve

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  3. Eine faszinierende Frau, liebe Sarah-Maria! Mutig war sie auf alle Fälle!

    Viele liebe Grüße
    Kristina

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  4. ja genau ... ich finde auch dass die Dame mutig war - ... und nachdem sie sogar Franz Liszt so beeindruckt hat muss sie ja schon Qualitäten gehabt haben :-)
    Danke Sarah-Maria für deine Texte. Ich lese sie immer wieder sehr gerne.

    ich wünsche dir ein schönes Wochenende. Lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  5. Beeindruckend ...
    Danke für deinen tollen Post.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünschen Sylvia und Tibi

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  6. Das ist ein toller Post!!! Hab mal in einer Biografie-Sammlung eine Kurzversion über Lola Montez gelesen, aber Dein Post war interessanter!
    DANKE!!!
    GLG Maegwin

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