1905 wehte am damaligen „Neuen Theater“ Berlin ein frischer Wind: denn Max Reinhardt führte Regie. Für seinen Sommernachtstraum ließ er eigens eine Drehbühne einbauen und auch sonst war die Inszenierung äußert aufwendig: der Bühnenboden wurde künstlich bemoost und es gab sogar eine Maschine, die für die nötige Stimmung Waldduft ins Theater blies.
Als Max Reinhardt nach Berlin kam, war er zwischen 1894 und 1902 Ensemblemitglied am Deutschen Theater und gründete 1901 zusammen mit einigen Kollegen das Kabarett „Schall und Rauch“ - welches wegen seiner Beliebtheit schnell in eine größere Räumlichkeit umziehen musste. Ab 1903 leitete er das „Neue Theater“. Danach folgte ein wahres Theater-Imperium: er war z.B. Direktor des Deutschen Theaters und gründete eine Schauspielschule.
Mit seinen neuen und aufwendigen Inszenierungen gilt er heute als Begründer des modernen Regietheaters. Er entstaubte nicht nur die Theater-, sondern auch die Opernbühnen und feierte z.B. mit der Inszenierung von Richard Strauss Rosenkavalier Erfolge in Dresden. Neben weltweiten Engagements, übernahm er zwischen 1915 und 1918 auch noch die Leitung der Berliner Volksbühne und richtete in dieser Zeit am Deutschen Theater die Bühne „Das junge Deutschland“ ein. Dort fanden viele Uraufführungen zeitgenössischer Stücke statt.
1919 ließ er den Zirkus Schumann zum „Großen Schauspielhaus“ umbauen. Das Haus umfasste 3000 Plätze und wurde durch seine aufwendig verzierte Decke auch „Tropfsteinhöhle“ genannt. Aus dem riesigen Theater wurde später der Friedrichstadtpalast. Das Gebäude wurde 1980 abgerissen und an gleicher Stelle ein neues Theater errichtet.
Max Reinhardt bespielte zwischen 1902 und 1933 insgesamt 13 Berliner Theater, war Mitbegründer der Salzburger Festspiele und zudem unterstanden noch neun weitere Bühnen in Wien seiner Leitung. Mit der Machtergreifung der Nazis boten jene ihm eine „Ehren-Arierschaft“ an. Max Reinhardt war jüdischer Herkunft. Er lehnte empört ab und ging noch im selben Jahr ins Exil. In den USA gründete er den „Max Reinhardt Workshop“ – eine Theater- und Filmakademie.
Am 31. Oktober 1943 starb er in New York. Um den von den Nazis enteigneten Millionen-Nachlass Reinhardts gab es noch Jahre später Unstimmigkeiten. Am 10. Juli 2006 eröffnete das Nachrichtenmagazin der Spiegel beispielsweise einen Artikel zum Rechtsstreit mit der Schlagzeile „Der Bund erhebt Anspruch auf Millionen aus dem Nachlass des jüdischen Theatermachers Max Reinhardt – und würde damit von Nazi- und SED-Diktatur profitieren.“
Quellen:
Galli, M.: Berlin, die Kunststadt. München: Bucher, 2009.
Wassermann, A.: Späte Entdeckung. In: der Spiegel, 28/2006, S. 43.
Bienert, M./Buchholz E. L.: Die Zwanziger Jahre in Berlin: ein Wegweiser durch die Stadt. Berlin: Berlin Story Verlag, 2006.
Deutsches Historisches Museum: Max Reinhardt. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ReinhardtMax/ (abgerufen am 25. Juni 2011).
Sehr interessant, was Du da über Max Reinhardt zusammengetragen hast. In einem Theater mit Moos und Waldduft würde ich auch gern mal sitzen...
AntwortenLöschenViele Grüße Synnöve
Hallo Sarah-Maria,
AntwortenLöschenmit Regisseuren oder Drehbuch-Autoren habe ich mich bisher weniger befasst. Klar, in einem Theater muss es auch einen Regisseur geben. Wenn ich mal im Theater war (leider viel zu selten, ich gehe aber leidenschaftlich gerne ins Theater), dann muss natürlich das Bühnenbild oder auch die Inszenierung gestaltet werden. Regisseure oder Drehbuch-Autoren gibt es eigentlich wie Sand am Meer. Z.B. hat jeder Tatort seinen eigenen Drehbuch-Autor. Auf der Ebene des Theaters denke ich an Willi Millowitsch (Köln) oder Gustav Gründgens (Düsseldorf) wobei die Stilrichtungen komplett auseinanderlaufen. Wenn ich einmal im Theater bin, interessiert es mich eigentlich relativ wenig, wer gerade Regie führt.
Gruß Dieter
p.S.: wie ich sehe, hast du einen großen Zulauf von Lesern. Da auch ich deine Blog-Seite sehr schätze, ist dies bestimmt ein Indiz von hoher Qualität
danke wieder für deine interessanten Informationen. Ich bin schon mal im Friedrichspalast gesessen und hatte keine Vorstellung was da vorher war. Und dass es 1905 schon eine Drehbühne gab ... ich lese deine Texte immer wieder sehr gerne.
AntwortenLöschenlieber Gruß von Heidi-Trollspecht
Das ist toll, das würde ich auch gerne anschauen... hatte letztens mal ein Tanztheater aus Essen, die haben den Sommernachtstraum ab Herbst auf dem Spielplan...mit Waldduft, das wäre noch was...*träum*
AntwortenLöschenLG
Ute
Liebe Sarah-Marie,
AntwortenLöschenich habe hier einiges nachzulesen, war so viel unterwegs privat als auch für mein Atelier ...
Der Theater-Post hat mich - wieder - sehr angesprochen : Haben wir hier in Augsburg doch unsere Freilichtbühne mit dieser so besonderen Atmosphäre und so teile ich diese Begeisterung für und mit Max Reinhardt (!). Bin auch selbst schon auf der Bühne gestanden hier in Augsburg, der Kressles-Mühle.
Danke auch für den Post "brecht in berlin" - dem grossen Augsburger ..
GLG von Heidrun