Im 19. Jahrhundert entbrannte in den preußischen Behörden ein Zuständigkeitsstreit der besonders dringlichen Art: denn die Berliner Bevölkerung urinierte sich aufgrund mangelnder Alternativen munter durch die Innenstadt und sorgte damit nicht gerade für Frischluft. Doch wer dieses delikate Problem zu lösen hatte war nicht ganz eindeutig, denn die Polizei war zwar zuständig für alles, was auf den Straßen Berlins passierte bzw. nicht passieren durfte, aber bauliche Maßnahmen fielen dem Magistrat zu - welcher aber aus Kostengründen den Bau von öffentlichen Toiletten ablehnte.
Und während die Behörden sich gegenseitig blockierten, nutzen die Berliner diese Steilvorlage und dichteten einen Spottvers auf den damaligen Polizeipräsidenten Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey:
Ach lieber Vater Hinckeldey
Mach uns für unsere Pinkeley
Doch bitte einen Winkel frey
1854 schien eine Lösung zum Greifen nah, denn Ernst Litfaß - dem die wilde Plakatiererei fürchterlich störte - bekam von Hinckeldey die Genehmigung 180 Plakat-Säulen in Berlin aufzustellen, von denen er 30 mit einem Pissoir verbinden sollte. Doch mangels ausreichender Wasserleitungen scheiterte auch dieses Projekt. Es folgten weitere acht Jahre Behördenstreit bis schließlich der Bau von 15 Pissoirs genehmigt wurde. Sie befanden sich allesamt auf Plätzen oder Brücken und waren nur für Männer vorgesehen. Öffentliche Toiletten für Frauen gab es nicht oder sie wurden aus „Sicherheits- und Schicklichkeitsgründen“ in das Innere öffentlicher Gebäude verlegt.
1876 gab es bereits 56 Urinale, die allerdings bei Weitem immer noch nicht ausreichten, um Herr der Lage zu werden. Guido von Madai (mittlerweile Polizeipräsident) ließ daher weitere Anlagen aufstellen, die von den Berlinern auf den Namen „Madai-Tempel“ getauft wurden. Doch es half alles nix: Berlin lechzte nach mehr!
Stadtbaurat Carl Theodor Rospatt erwies sich schließlich als Retter in der Not und präsentierte einen hygienisch, diskreten und effizienten Entwurf mit dem klangvollen Namen „Waidmannslust“ in dem sieben Herren gleichzeitig Platz fanden. Die ersten beiden der insgesamt 142 Toilettenhäuschen standen auf dem Wedding- und Arminiusplatz und die Berliner verpassten ihnen aufgrund ihrer Form den Namen „Café Achteck“. Einige dieser Anlagen wurden in den letzten Jahren aufwendig restauriert und sind heute für beide Geschlechter geöffnet.
Quellen:
Bärthel, H.: Tempel aus Gusseisen. In: Edition Luisenstadt, Berlinische Monatsschrift Heft 11/2000.
Samstag, 24. März 2012
Dienstag, 20. März 2012
die spitze des kilimandscharo
Im Muschelsaal des Neuen Palais in Potsdam ist eine ganz besonders entzückende Trophäe kolonialistischen Größenwahns zu bestaunen: die Spitze des Kilimandscharo.
Von 1885-1918 wurde der Kilimandscharo offiziell in Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe umbenannt, denn er lag in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika und war somit der höchste Berg auf deutschen Territorium. Im Oktober 1889 bestieg, nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, eine kaiserliche Delegation den Gipfel. Mitglied dieser Gruppe war der Leipziger Hans Meyer, welcher schließlich die Gesteinsprobe von der Spitze entnahm und dem Kaiser feierlich als Symbol für das erfolgreiche Entern des Berges übergab. Und dieser ließ sie kurzerhand als Deko in den Muschelsaal einbauen.
Der Musiker Anton Profes (Komponist der Titelmelodie der Sisi-Reihe) ließ sich durch dieses Ereignis übrigens zu seinem Schlager „Was macht der Maier am Himalaya?“ inspirieren. Dem aufmerksamen Leser wird jedoch an dieser Stelle sofort auffallen, dass dies nur begrenzt Sinn ergibt, denn der Kilimandscharo und das Himalayasystem liegen nicht einmal im selben Kontinent. Aber was soll man machen? Kilimandscharo reimt sich nunmal nicht auf Meyer.... ;)
Von 1885-1918 wurde der Kilimandscharo offiziell in Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe umbenannt, denn er lag in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika und war somit der höchste Berg auf deutschen Territorium. Im Oktober 1889 bestieg, nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, eine kaiserliche Delegation den Gipfel. Mitglied dieser Gruppe war der Leipziger Hans Meyer, welcher schließlich die Gesteinsprobe von der Spitze entnahm und dem Kaiser feierlich als Symbol für das erfolgreiche Entern des Berges übergab. Und dieser ließ sie kurzerhand als Deko in den Muschelsaal einbauen.
Der Musiker Anton Profes (Komponist der Titelmelodie der Sisi-Reihe) ließ sich durch dieses Ereignis übrigens zu seinem Schlager „Was macht der Maier am Himalaya?“ inspirieren. Dem aufmerksamen Leser wird jedoch an dieser Stelle sofort auffallen, dass dies nur begrenzt Sinn ergibt, denn der Kilimandscharo und das Himalayasystem liegen nicht einmal im selben Kontinent. Aber was soll man machen? Kilimandscharo reimt sich nunmal nicht auf Meyer.... ;)
Samstag, 17. März 2012
pergamon - panorama der antiken metropole/ roads of arabia
Letztes
Wochenende war ich ja, wie ihr wisst, in Berlin und habe vor ein paar Tagen groß
angekündigt, dass es hier „bald“ einen Bericht über meinen Besuch der aktuellen
Sonderausstellungen im Pergamon-Museum gibt. Hüstel. Nun soll es endlich heute
soweit sein:
Pergamon
– Panorama der Antiken Metropole (30.09.2011 – 30.09.2012):
Zunächst
einmal ist festzuhalten, dass der Spaß mit 13 EUR (ermäßigt 6,50 EUR) elendig
teuer ist. Zu sehen ist die antike Stadt Pergamon zur Zeit des Frühjahrs 129 n.
Chr. in einer 360° Ansicht. Gestaltet wurde die 100x25 Meter Panorama-Ansicht
von Yadegar Asisis und ist echt riesig. Zuerst geht man diverse Treppen hinauf auf
eine Aussichtsplattform - und schließlich kann man das Ganze auch noch von
unten bewundern.
Die
Musik dazu wurde von dem Filmkomponisten Eric Babak komponiert und trifft
vermutlich den ästhetischen Geschmack von den meisten. Aber ich reagiere immer
ein bisserl allergisch auf so „atmosphärische Befindlichkeitsmusik“, die mit
Vorliebe zu monomentalen Naturaufnahmen gespielt wird. Daher hat sie mich eher
gestört als, dass sie mich zum Hineinträumen ins antike Geschehen animiert hat.
Aber wie gesagt, da bin ich eigen. Das dürften die meisten anders empfinden. Fazit:
durchaus eindrucksvoll, aber einfach viel zu teuer. Und Fotos sind leider, wieso auch immer (?!?!), tabu.
Im
Anschluss an das Panorama werden im Nordflügel des Museums etliche noch nie
gezeigte Exponate sowie diverse Leihgaben aus dem antiken Pergamon (frühe
Bronzezeit bis Spätantike) gezeigt. Erklärt wird neben der Grabungsgeschichte auch
das damalige Leben und der Aufbau der Stadt. Die Ausstellung ist multimedial
aufbereitet, es gibt aber leider keinen Audioguide. Dennoch, ist sie absolut
sehenswert!!
Besonders
fasziniert hat mich, dass in Pergamon das aller erste (Kunst)Museum überhaupt stand. Dort wurden alte Werke (Skulpturen, etc.) gesammelt und ausgestellt, aber
auch alte oder ausländische Kunststile nachgeahmt, um sie für die Nachwelt
festzuhalten. Ein weiteres Highlight war definitiv der Stammbaum der Götter.
Der Rentner Dieter Macek hat sich daran gemacht alle 7686 griechischen Götter
und Helden zu ordnen. Gestaltet wurde der Raum erneut von Asisi und soll mit
dem Deckenspiegel verdeutlichen, dass der Mensch im Zentrum steht und als
eigentlicher Schöpfer der Welt und dessen vielfältigen Entstehungsmythen gilt.
Roads
of Arabia – Archäologische Schätze Saudi-Arabiens (26. Januar – 09. April
2012):
Eine
tolle Ausstellung! Dennoch für jemanden, wie mich, der echt wenig Ahnung von
der Geschichte Saudi-Arabiens hat, nicht so einfach ad hoc einzuordnen.
Deswegen, um einen kleinen Mini-Überblick zu bekommen, würde ich empfehlen den
12-minütigen Dokumentarfilm zur Ausstellung, welcher eigentlich am Ende der
Ausstellung steht, am Anfang zu schauen. Man gelangt in den Vorführungsraum
gleich im ersten Ausstellungsraum, wenn man rechts durch den schwarzen Vorgang
geht. Ansonsten sollte man nicht vergessen sich einen kostenlosen Audioguide
mitzunehmen.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Ex-Bundespräsident Christian Wulff und
dem König von Saudi-Arabien Abdullah bin Abd al_Aziz Al Saud. Gezeigt
werden Exponate aus der Vor- und Frühgeschichte des Landes sowie aus der
Antike.
Besonders
interessant fand‘ ich die Geschichte der Verbreitung von kulturellem und
wissenschaftlichem Wissen durch die Karawanen sowie die Ausstellungsstücke der
Kaaba und die darum erklärte Stadtgeschichte Mekkas.
Alle
Ausstellungen, inklusive der Dauer-Ausstellung, gibt’s für 18 EUR (ermäßigt 15
EUR, Kinder 6-18 Jahre 5,50 EUR). Ist 'ne Stange Geld. Daher sollte man sich
schon ordentlich Zeit nehmen und die eine oder andere Pause einplanen. Für
Kinder gibt es in der Ausstellung „Roads of Arabia“ eine Betreuung sowie für
die Schulkinder zwei Geo-Quiz, die während des Besuches ausgefüllt werden
können.
Mittwoch, 14. März 2012
zeit zu lieben, zeit zu sterben - maxim gorki theater
Hier
im Blog war es in den letzten Tagen recht still. Denn ich war für einige Tage
in Berlin und bin dort ins Kunst- und Kulturleben getaucht. Meine Berichte zu
den drei gesehen Opern habe ich schon auf meinem Opernblog online gestellt: L’Elisir d’Amore,
Tristan und Isolde & Das bronzene Pferd. Nun sollen hier noch neben diesem
Post zur Premiere am letzten Samstag im Maxim Gorki Theater „Zeit zu lieben,
Zeit zu sterben“, noch meine Eindrücke zu den neuen Sonderausstellungen im
Pergamonmuseum folgen.
Das
Stück, „Zeit zu lieben, Zeit zu sterben“ (Fritz Kater) beinhaltet drei Teile: Zunächst
das Leben als Teenie in der DDR. Im zweiten Teil geht es um eine Familie,
dessen Vater über die Grenze geflohen ist und die Verbliebenen nun diversen
Repressalien ausgesetzt sind: der Sohn bekommt z.B. keinen Studienplatz. Der dritte
Teil spielt nach der Wende: Mit Ernüchterung stellen die Protagonisten fest,
dass sich ihre Wünsche und Träume von der Freiheit nicht ad hoc erfüllen.
Das
Stück begann ein wenig schwerfällig, da es anfänglich keine festen Rollen gab. Die
Schauspieler switchten in den Rollen in und her. Na ja – und der Text war an
der Grenze zu albern. Denn das Wort „ficken“ wurde dermaßen inflationär
gebraucht, dass man gedacht hat: „Ja, ja is‘ ja gut, wir ham’s kapiert! Hier
wird „in cool“ gesprochen“.
Na
ja. Jedenfalls war der II. und III. Teil um Dimensionen besser! Und der Abend
hat sich daher in jedem Fall gelohnt! Das Leben spielte sich auf einer
Drehbühne ab, die niemals stillstand und den Protagonisten den
Handlungsspielraum nahm, den eine Diktatur mit sich bringt. Es gab viel Witz,
Komik und eindringliche Dialoge, Hilflosigkeit gepaart mit Alltagssorgen und
den üblichen Fragen auf dem Weg zum Erwachsensein. Verbaute Zukunftschancen
durch „Kleinigkeiten“ oder eben Angehörige, die sich aus dem Staub gemacht
haben. Resignation und „Bloß nicht auffallen“ Parolen, aber auch heldenhafte
Rebellion, die vom „Held“ ganz und gar nicht heldenhaft wahrgenommen wurde, sondern
ihn verzweifeln ließ. Gespielt wurde dies alles von einem wunderbaren Ensemble
und in grandioser Regie (Antú Romero Nunes). Definitiv sehenswert!
Dazu
gab es wunderbare Live-Musik von „marie & the redCat“. Diese Band sollte
man sich unbedingt merken! Daher habe ich mal einen Clip für
euch rausgesucht:
Die nächsten Vorstellungen sind am 04.04. und
12.04. Die Karten kosten zwischen 10 und 34 EUR.
Mittwoch, 7. März 2012
das ist unser' haus!
Der Rauch-Haus-Song von den Ton Steine Scherben besingt die Besetzung des ehemaligen Schwesternwohnheims im Berliner Bethanien-Krankenhaus. Übrigens einstige Wirkungsstätte Fontanes, denn dort hat er als Apotheker gearbeitet, bevor er diesen Beruf an den Nagel hing und Vollzeitschriftsteller wurde.
Bei der Besetzung handelte es sich um eine der ersten politisch motivierten Hausbesetzungen der Nachkriegsjahre. Benannt haben die Besetzter das Haus nach dem Studenten Georg von Rauch. Er wurde 1971 bei einem Schusswechsel von der Polizei getötet. Das Haus ist bis heute selbstverwaltet.
Die im Lied besungenen „Schmidt und Press und Mosch“ waren Bauunternehmer, die maßgeblich an dem massiven Abriss der Kreuzberger Altbauten beteiligt waren. Herrn Schmidt ist z.B. das „Neue Kreuzberger Zentrum“ am Kottbusser Tor zu verdanken. Das Nachrichtenmagazin Spiegel schrieb am 28. Mai 1973 über das Bauvorhaben folgendes: „Am Kottbusser Tor wollte Immobilien-Makler Günter Schmidt in halbkreisförmigem Bogen Gewerbe- und Wohnbauten für 80 Millionen Mark hochziehen. Doch auf dem Gelände standen noch Häuser, aus denen die Mieter nicht weichen mochten. Bauherr Schmidt sah sein ,Neues Kreuzberger Zentrum' in Gefahr und beschloß, die ,Entmietung' der Altbauten zu forcieren: Ohne Vorwarnung ließ er Türen und Fenster des noch teilbewohnten Hauses Dresdener Straße 131 herausbrechen und auf den Hof werfen. Begründung: „Wir wollen nicht, daß sich Gastarbeiter und anderes Gesindel einnisten."
Heinz Mosch stand dem in nix nach: „Koloß vorm Fenster - Über 5000 Menschen sollen nach einem Plan des Bauunternehmers Heinz Mosch in West-Berlin über der Autobahn wohnen. Sein ,Berlinopolis' ist ebenso zukunftsweisend wie umstritten", so der Spiegel am 08. Mai 1972. Und nur zweieinhalb Jahre später, am 20. Oktober 1975, titelte der Spiegel: „Pleitenjahr 75: Wie schön ein Konkurs ist“ und ließ wissen: „Heinz Mosch, Deutschlands ehedem größter privater Wohnungsbau-Unternehmer, bedauert seine Gläubiger. Mit drei Millionen Mark, so hatte der Baulöwe aus Wiesbaden noch vor kurzem kundgetan, werde er seinen Lieferanten und Bauhandwerkern für jede Mark, die er ihnen seit langem schuldet, bare 35 Pfennig zurückzahlen. Damit wollte sich Mosch den Gang zum Konkursrichter ersparen.“
Quellen:
So exzessiv und schamlos. In: Der Spiegel, (22/1973). S. 38-44.
Pleitenjahr 75: Wie schön ein Konkurs ist. In: Der Spiegel, (43/1975). S. 57-70.
Samstag, 3. März 2012
Luxuskette
Der Name Kempinski verspricht heute 5-Sterne-Noblesse der Extraklasse. Hotels auf der ganzen Welt schmücken sich mit diesem exklusiven Namen. Doch wer war eigentlich der Namensgeber?
Die Berliner Kempinski-Geschichte begann 1862, als Berthold und Helena Kempinski in die Hauptstadt zogen und bald darauf ihre Firmentätigkeit „M. Kempinski & Co“ mit einem kleinen Weinhandel und angrenzender Weinstube in der Friedrichstraße 176 begannen. 1889 zog das florierende Unternehmen in die Leipziger Straße 25, denn dort boten sich wesentliche größere Räumlichkeiten und zudem war durch Ankaufmöglichkeiten umliegender Immobilien das Grundstück noch ausbaufähig. Zu dieser Zeit beschäftigten die Kempinskis bereits etwa 800 Mitarbeiter.
Alsbald wurde das Unternehmen in eine offene Handelsgesellschaft („OHG M. Kempinski & Co“) umgewandelt und nach dem Tod Berthold Kempinskis, 1910, von seinem Schwiegersohn Richard Unger weitergeführt. Zu seinen Mitgesellschaftern wurden Hans Kempinski, ein Neffe des Firmengründers, sowie einige Zeit später Richard Ungers Neffe Walter Unger und sein Sohn Friedrich Unger.
Bereits 1918 kaufte das Unternehmen mehrere Immobilien am Kurfürstendamm sowie der angrenzenden Fasanenstraße und eröffnete 1926, nach einigen Umbauten, ein Restaurant mit Feinkostladen. Ein von Berthold Kempinskis Bruder geführtes Weinlokal in Breslau ging außerdem in den Firmenbesitz über. Den größten Fisch angelte sich aber das Unternehmen mit dem „Haus Vaterland“ am Potsdamer Platz. Ein Vergnügungspalast mit diversen Gaststätten und Kinos in dem insgesamt 8000 Gäste Platz fanden. Es folgten das „Café Trumpf“ an der Gedächtniskirche und ein Hotel am Schlänitzsee. Außerdem kaufte das Unternehmen Weingüter und Kellereien an Rhein und Mosel auf und gründete zudem einen Wein-Versandhandel.
Mit der Machtübernahme der Nazis war das Unternehmen, aufgrund der jüdischen Herkunft der Besitzer, zunehmender Repressalien ausgesetzt und so sah sich die „OHG M. Kempinski & Co." zur Geschäftsaufgaben gezwungen. Sie verpachteten ihre Betriebe am 29. April 1937 an die von der Aschinger AG kurz zuvor und extra deswegen gegründete „M. Kempinski & Co. Weinhandel und Handelsgesellschaft mbH“(kurz M. Kempinski & Co. GmbH). Ab 1941, mit dem Verbot jüdischer Firmennamen, wurde das Unternehmen als „F.W. Borchardt Weinhaus und Handelsgesellschaft mbH“ weitergeführt. Zudem wurde das Firmenlogo geändert und der integrierte David-Stern durch Weintrauben ersetzt.
Nach dem Krieg waren alle Gebäude des Unternehmens schwer beschädigt oder komplett zerstört. Richard und Friedrich (nun anglisiert Frederic) Unger überlebten im Exil. Hans Kempinski verstarb vor Kriegsende im Ausland und Walter Unger wurde in Ausschwitz von den Nazis ermordet.
Nach Kriegsende versuchten Richard und Frederic Unger den Betrieb zurück in den Familienbesitz zu führen, scheiterten jedoch daran, dass die Aschinger Aktiengesellschaft sich auf den Pachtvertrag von 1936 berief. Erst 1950 kam es zu einer Einigung, die zur Folge hatte, dass das neu errichtete Hotel am Kurfürstendamm gemeinschaftlich geführt wurde.
Die Einigung ist kompliziert. Doch es lohnt sich einen genaueren Blick darauf zu werfen: Paul Spethmann, der auch schon während der NS-Zeit zur Leitung der Aschinger AG gehörte und maßgeblich an der Übernahme 1937 beteiligt war, wurde Vorstandsmitglied der neu gegründeten M. Kempinski & Co. GmbH. Sie wurde als Tochter der von Frederic Unger wiederbelebten OHG M. Kempinski & Co. geführt. Das Bistol Hotel am Ku-Damm wurde von der neu gegründeten Tochter eröffnet und von der Aschinger AG betrieben.
Jetzt kommt die 1926 von der Aschinger AG übernomme und mitte der 30er Jahre wieder eigenständig agierende Hotelbetriebs AG auf den Plan (ihr gehörte vor 1945 z.B. das berühmte Centralhotel). Sie ernannte 1952 Paul Spethmann zu ihrem Vorstandsvorsitzenden. Damit war er in allen drei relevanten Unternehmen in der Leitung tätig. 1952 ging die M. Kempinski & Co. GmbH dann an die Hotelbetriebs AG. 1970 wurde das Unternehmen schließlich in Kempinski Hotelbetriebs-AG und 1977 in Kempinski AG umbenannt.
(Die Entwicklung der Besitzverhältnisse habe ich in einem Dokument des Berliner Landesarchivs nachgelesen)
Ein Mitglied der Familie Kempinski proklamieren jedoch heute: „Keiner von uns hat jemals einen Pfennig Entschädigung bekommen", erklärte der 87jährige Fritz Teppich (Bruder von Mela Kempinski und Ehefrau des Mitgesellschafters Hans Kempinski) 2007 in einem Interview mit der Berliner Zeitung.
Am Bristol Hotel der Kempinski AG am Kurfürstendamm erinnert heute ein Schild an seine Namensgeber: „Das 1952 eröffnete Bristol Hotel Kempinski möchte, dass das Schicksal der Gründerfamilie nicht vergessen wird.“ Das Schild wurde dort 1994 nach langen Diskussionen und diversen Demonstrationen vor dem Hotel angebracht.
Auf der Website der Kempinski AG wird jedoch kein Wort darüber verloren. In der Rubrik „Über Kempinski“ wird zwar unter der Überschrift "Kempinski – Unser prestigeträchtiges Erbe ist der Grundstein für eine strahlende Zukunft" Bezug auf die über 100jährige Firmengeschichte genommen, aber dazu heißt es lediglich: „Die Marke Kempinski wird weltweit von einer wachsenden Kollektion an charakteristischen, erlesenen Hotels repräsentiert. Als Europas älteste Luxushotelgruppe bieten wir unseren Gästen unvergessliche Aufenthalte gepaart mit exquisitem europäischem Flair. Unser Credo: Leben Sie das Leben mit Stil. [….] Wir sind davon überzeugt, dass unser prestigeträchtiges europäisches Erbe uns die einzigartige Möglichkeit gibt, die zukünftigen Bedürfnisse des stilvollen, anspruchsvollen Reisenden vorhersehen zu können. [...] Seit dem Jahr 1897 kümmern sich unsere Mitarbeiter auf der ganzen Welt darum, Geschichte zu schreiben. Von historischen Gebäuden bis hin zu modernster Architektur – unsere Hotels bilden den Rahmen für einige der schönsten Momente im Leben. In unseren Häusern fanden bereits historische Treffen zwischen internationalen Staatsoberhäuptern statt; Prominente profitierten von der Abgeschiedenheit, die wir für Sie schufen; Gäste erlebten bei uns einmalige Aufenthalte mit unvergesslichen Erinnerungen.“ (Stand: 03.03.2012).
Ein Besuch der Website der Filliale am Kurfürsten-Damm hält für den Leser eine Chronik bereit, die die Namesgeber und ihre Geschichte deutlich erwähnt. Den Pfad von der Startsteite zur Chronik kann ich jedoch grad nicht nachvollziehen. Ich hab die Seite über Google Suche "Kempinski Geschichte" gefunden. Vielleicht kann da jemand von euch helfen?
Quellen:
Emmerich, M.: Alles verloren - nur der Hotelname blieb. In: Berliner Zeitung, (08.06.2007).
Klein, M.: Landesarchiv Berlin: Warenhaus Rudolph Hertzog. http://www.landesarchiv-berlin.de/php-bestand/arep225-pdf/arep225.pdf (abgerufen am 31. Mai 2011).
Potsdamer-Platz.org: M. Kempinski & Co. http://www.potsdamer-platz.org/kempinski.htm (abgerufen am 31. Mai 2011).
Lorenz, L.: Der «Erbe» der Kempinskis. In: Jüdische Zeitung, (Januar 2007).
Rheinische Post: Fritz Teppich, der letzte Spanienkämpfer. http://www.rp-online.de/politik/Fritz-Teppich-der-letzte-Spanienkaempfer_aid_656368.html (abgerufen am 31. Mai 2011).
Kempinski AG: Kempinski – Unser prestigeträchtiges Erbe ist der Grundstein für eine strahlende Zukunft. http://www.kempinski.com/de/About%20Kempinski/Seiten/AboutKempinski.aspx (abgerufen am 31. Mai 2011).
Die Berliner Kempinski-Geschichte begann 1862, als Berthold und Helena Kempinski in die Hauptstadt zogen und bald darauf ihre Firmentätigkeit „M. Kempinski & Co“ mit einem kleinen Weinhandel und angrenzender Weinstube in der Friedrichstraße 176 begannen. 1889 zog das florierende Unternehmen in die Leipziger Straße 25, denn dort boten sich wesentliche größere Räumlichkeiten und zudem war durch Ankaufmöglichkeiten umliegender Immobilien das Grundstück noch ausbaufähig. Zu dieser Zeit beschäftigten die Kempinskis bereits etwa 800 Mitarbeiter.
Alsbald wurde das Unternehmen in eine offene Handelsgesellschaft („OHG M. Kempinski & Co“) umgewandelt und nach dem Tod Berthold Kempinskis, 1910, von seinem Schwiegersohn Richard Unger weitergeführt. Zu seinen Mitgesellschaftern wurden Hans Kempinski, ein Neffe des Firmengründers, sowie einige Zeit später Richard Ungers Neffe Walter Unger und sein Sohn Friedrich Unger.
Bereits 1918 kaufte das Unternehmen mehrere Immobilien am Kurfürstendamm sowie der angrenzenden Fasanenstraße und eröffnete 1926, nach einigen Umbauten, ein Restaurant mit Feinkostladen. Ein von Berthold Kempinskis Bruder geführtes Weinlokal in Breslau ging außerdem in den Firmenbesitz über. Den größten Fisch angelte sich aber das Unternehmen mit dem „Haus Vaterland“ am Potsdamer Platz. Ein Vergnügungspalast mit diversen Gaststätten und Kinos in dem insgesamt 8000 Gäste Platz fanden. Es folgten das „Café Trumpf“ an der Gedächtniskirche und ein Hotel am Schlänitzsee. Außerdem kaufte das Unternehmen Weingüter und Kellereien an Rhein und Mosel auf und gründete zudem einen Wein-Versandhandel.
Mit der Machtübernahme der Nazis war das Unternehmen, aufgrund der jüdischen Herkunft der Besitzer, zunehmender Repressalien ausgesetzt und so sah sich die „OHG M. Kempinski & Co." zur Geschäftsaufgaben gezwungen. Sie verpachteten ihre Betriebe am 29. April 1937 an die von der Aschinger AG kurz zuvor und extra deswegen gegründete „M. Kempinski & Co. Weinhandel und Handelsgesellschaft mbH“(kurz M. Kempinski & Co. GmbH). Ab 1941, mit dem Verbot jüdischer Firmennamen, wurde das Unternehmen als „F.W. Borchardt Weinhaus und Handelsgesellschaft mbH“ weitergeführt. Zudem wurde das Firmenlogo geändert und der integrierte David-Stern durch Weintrauben ersetzt.
Nach dem Krieg waren alle Gebäude des Unternehmens schwer beschädigt oder komplett zerstört. Richard und Friedrich (nun anglisiert Frederic) Unger überlebten im Exil. Hans Kempinski verstarb vor Kriegsende im Ausland und Walter Unger wurde in Ausschwitz von den Nazis ermordet.
Nach Kriegsende versuchten Richard und Frederic Unger den Betrieb zurück in den Familienbesitz zu führen, scheiterten jedoch daran, dass die Aschinger Aktiengesellschaft sich auf den Pachtvertrag von 1936 berief. Erst 1950 kam es zu einer Einigung, die zur Folge hatte, dass das neu errichtete Hotel am Kurfürstendamm gemeinschaftlich geführt wurde.
Die Einigung ist kompliziert. Doch es lohnt sich einen genaueren Blick darauf zu werfen: Paul Spethmann, der auch schon während der NS-Zeit zur Leitung der Aschinger AG gehörte und maßgeblich an der Übernahme 1937 beteiligt war, wurde Vorstandsmitglied der neu gegründeten M. Kempinski & Co. GmbH. Sie wurde als Tochter der von Frederic Unger wiederbelebten OHG M. Kempinski & Co. geführt. Das Bistol Hotel am Ku-Damm wurde von der neu gegründeten Tochter eröffnet und von der Aschinger AG betrieben.
Jetzt kommt die 1926 von der Aschinger AG übernomme und mitte der 30er Jahre wieder eigenständig agierende Hotelbetriebs AG auf den Plan (ihr gehörte vor 1945 z.B. das berühmte Centralhotel). Sie ernannte 1952 Paul Spethmann zu ihrem Vorstandsvorsitzenden. Damit war er in allen drei relevanten Unternehmen in der Leitung tätig. 1952 ging die M. Kempinski & Co. GmbH dann an die Hotelbetriebs AG. 1970 wurde das Unternehmen schließlich in Kempinski Hotelbetriebs-AG und 1977 in Kempinski AG umbenannt.
(Die Entwicklung der Besitzverhältnisse habe ich in einem Dokument des Berliner Landesarchivs nachgelesen)
Ein Mitglied der Familie Kempinski proklamieren jedoch heute: „Keiner von uns hat jemals einen Pfennig Entschädigung bekommen", erklärte der 87jährige Fritz Teppich (Bruder von Mela Kempinski und Ehefrau des Mitgesellschafters Hans Kempinski) 2007 in einem Interview mit der Berliner Zeitung.
Am Bristol Hotel der Kempinski AG am Kurfürstendamm erinnert heute ein Schild an seine Namensgeber: „Das 1952 eröffnete Bristol Hotel Kempinski möchte, dass das Schicksal der Gründerfamilie nicht vergessen wird.“ Das Schild wurde dort 1994 nach langen Diskussionen und diversen Demonstrationen vor dem Hotel angebracht.
Auf der Website der Kempinski AG wird jedoch kein Wort darüber verloren. In der Rubrik „Über Kempinski“ wird zwar unter der Überschrift "Kempinski – Unser prestigeträchtiges Erbe ist der Grundstein für eine strahlende Zukunft" Bezug auf die über 100jährige Firmengeschichte genommen, aber dazu heißt es lediglich: „Die Marke Kempinski wird weltweit von einer wachsenden Kollektion an charakteristischen, erlesenen Hotels repräsentiert. Als Europas älteste Luxushotelgruppe bieten wir unseren Gästen unvergessliche Aufenthalte gepaart mit exquisitem europäischem Flair. Unser Credo: Leben Sie das Leben mit Stil. [….] Wir sind davon überzeugt, dass unser prestigeträchtiges europäisches Erbe uns die einzigartige Möglichkeit gibt, die zukünftigen Bedürfnisse des stilvollen, anspruchsvollen Reisenden vorhersehen zu können. [...] Seit dem Jahr 1897 kümmern sich unsere Mitarbeiter auf der ganzen Welt darum, Geschichte zu schreiben. Von historischen Gebäuden bis hin zu modernster Architektur – unsere Hotels bilden den Rahmen für einige der schönsten Momente im Leben. In unseren Häusern fanden bereits historische Treffen zwischen internationalen Staatsoberhäuptern statt; Prominente profitierten von der Abgeschiedenheit, die wir für Sie schufen; Gäste erlebten bei uns einmalige Aufenthalte mit unvergesslichen Erinnerungen.“ (Stand: 03.03.2012).
Ein Besuch der Website der Filliale am Kurfürsten-Damm hält für den Leser eine Chronik bereit, die die Namesgeber und ihre Geschichte deutlich erwähnt. Den Pfad von der Startsteite zur Chronik kann ich jedoch grad nicht nachvollziehen. Ich hab die Seite über Google Suche "Kempinski Geschichte" gefunden. Vielleicht kann da jemand von euch helfen?
Quellen:
Emmerich, M.: Alles verloren - nur der Hotelname blieb. In: Berliner Zeitung, (08.06.2007).
Klein, M.: Landesarchiv Berlin: Warenhaus Rudolph Hertzog. http://www.landesarchiv-berlin.de/php-bestand/arep225-pdf/arep225.pdf (abgerufen am 31. Mai 2011).
Potsdamer-Platz.org: M. Kempinski & Co. http://www.potsdamer-platz.org/kempinski.htm (abgerufen am 31. Mai 2011).
Lorenz, L.: Der «Erbe» der Kempinskis. In: Jüdische Zeitung, (Januar 2007).
Rheinische Post: Fritz Teppich, der letzte Spanienkämpfer. http://www.rp-online.de/politik/Fritz-Teppich-der-letzte-Spanienkaempfer_aid_656368.html (abgerufen am 31. Mai 2011).
Kempinski AG: Kempinski – Unser prestigeträchtiges Erbe ist der Grundstein für eine strahlende Zukunft. http://www.kempinski.com/de/About%20Kempinski/Seiten/AboutKempinski.aspx (abgerufen am 31. Mai 2011).
Donnerstag, 1. März 2012
max und fanny steinthal
In der Uhlandstraße 191 (Berlin - nahe Ku-Damm) stand einst das Anwesen der Familie Max und Fanny Steinthal. Max Steinthal war einer der wichtigsten Akteure in der deutschen Wirtschaft des Kaiserreichs. Er war Mitbegründer der Deutschen Bank , Financier der Berliner U-Bahn und spendete er mehrere 100.000 Goldmark für soziale und wissenschaftliche Einrichtungen. Zudem war er maßgeblich an der Gründung der Mannesmann AG beteiligt. Bis 1932 war Max Steinthal Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Dann trat er, nach eigenen Angaben, weil er hinsichtlich seiner jüdischen Abstammung der Bank keine Schwierigkeiten machen wollte, zurück. Seine Kinder flohen ins Ausland, doch zu diesem Schritt konnten sich das Ehepaar nicht entschließen. 1938 mussten sie schließlich ihre Villa räumen und sie weit unter Wert verkaufen. Ihre letzten Tage verbrachten sie in dem Berliner Hotel Eden am Bahnhof Zoo (dort wurde übrigens Rosa Luxemburg ermordet). Dort verstarb am 8. Dezember 1940, fast 90-jährig, Max Steinthal und wenig später, am 5. Oktober 1941, auch seine Frau Fanny.
Die Steinthals waren begeisterte Kunstsammler und hatten in ihrer Villa eine beachtliche Sammlung vorzuweisen. Darunter Werke von Pablo Picasso, Max Liebermann, Edouard Manet, Edvard Munch, Lovis Corinth oder Giovanni Segantini. Zudem wurde von Fanny Steinthal eine bedeutende Miniaturensammlung angelegt. Beraten wurden sie bei ihrer Auswahl von niemand geringeren als dem berühmten Museumsdirektor Wilhelm von Bode.
Ein Großteil des Nachlasses wurde von der Gestapo als Reichsfluchtsteuer ihrer Kinder sowie Judenvermögensabgabe beschlagnahmt. Der nichtjüdische Ex-Schwiegersohn Richard Vollmann wurde mit der Testamentsvollstreckung beauftragt. Er und Eva Steinthal hatten sich vor ihrer Flucht nach Peru scheiden lassen. Vollmann nahm, bei Beginn der Luftangriffe auf Berlin, einen Teil der Sammlung in sieben Kisten mit etwa 60 Exponate mit nach Dresden. Doch als er 1953 aus der DDR floh wurden die Kunstwerke gepfändet und ohne genauere Prüfung ins Depot der Staatlichen Kunstsammlung Dresden gegeben. Die Erben hatten zwar bereits 1948 Anspruch auf die Sammlung erhoben, jedoch liefen ihre Forderungen, ohne genaue Kenntnis des Aufenthaltsortes, ins Leere. 1998 beauftragten sie die Historikerin Monika Tatzkow mit der Suche nach der verschollenen Sammlung. Sie fand Hinweise darauf, dass die Bilder in Dresden zu suchen sind. Nach dem Elbhochwasser 2002 mussten die im Schloss Pillnitz gelagerten Beständen neu katalogisiert werden. Dabei wurden etwa 60 Bilder ausgemacht, die zu der Steinthal-Sammlung gehörten.
Den sieben Enkeln konnten, nach langen Verhandlungen, die entdeckten Bilder zurückgegeben werden. Sie wurden restauriert und 2004 im Jüdischen Museum Berlin ausgestellt. Schon zu Lebzeiten der Steinthals hingen die Bilder z.T. leihweise im Alten Jüdischen Museum. Nach der Ausstellung 2004 wurden die meisten Bilder von den Erben mit einem Millionengewinn bei Sotheby’s versteigert. Unter den wiedergefunden Stücken befand sich übrigens auch die Aktie der Deutschen Bank mit der No. 001. Sie ging bei Sotheby’s für 104.000 EUR weg. Die Miniaturensammlung von Fanny Steinthal sowie 40 weitere Werke sind jedoch leider bis heute verschollen.
Max und Fanny Steinthal sind auf dem interkonfessionellen Waldfriedhof Heerstraße (Berlin) beigesetzt. Am Alexanderplatz und der U-Bahn-Station Klosterstraße erinnert heute eine Gedenktafel an die Verdienste Steinthals. Zudem wurde in Erinnerung an Max und Fanny Steinthals Sohn Eduard, vor dem einstigen Anwesen der Familie, ein Stolperstein verlegt. Eduard Steinthal floh 1937 nach Frankreich, wurde dort jedoch verhaftet und am 14. September 1943 nach Ausschwitz deportiert und ermordet.
Quellen:
Zeit Online: Von zwei Diktaturen unterdrückt. http://www.zeit.de/2004/38/Von_zwei_Diktaturen_unterdrueckt (abgerufen am 29. Februar 2012).
Jüdisches Museum Berlin: Max Steinthal – Ein Bankier und seine Bilder. http://www.jmberlin.de/main/DE/01-Ausstellungen/02-Sonderaustellungen/2004/steinthal.php (abgerufen am 29. Februar 2012).
Spiegel.de: Deutsche-Bank-Aktie für 104.000 Euro repatriiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,333059,00.html (abgerufen am 29. Februar 2012).
Welt Online: Verschollene Kunst wiederentdeckt. http://www.welt.de/print-wams/article109050/Verschollene_Kunst_wiederentdeckt.html (abgerufen am 29. Februar 2012).
Berlin.de: Stolperstein Uhlandstr. 191. http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/lexikon/uhland191.html (abgerufen am 29.Februar 2012).
Die Steinthals waren begeisterte Kunstsammler und hatten in ihrer Villa eine beachtliche Sammlung vorzuweisen. Darunter Werke von Pablo Picasso, Max Liebermann, Edouard Manet, Edvard Munch, Lovis Corinth oder Giovanni Segantini. Zudem wurde von Fanny Steinthal eine bedeutende Miniaturensammlung angelegt. Beraten wurden sie bei ihrer Auswahl von niemand geringeren als dem berühmten Museumsdirektor Wilhelm von Bode.
Ein Großteil des Nachlasses wurde von der Gestapo als Reichsfluchtsteuer ihrer Kinder sowie Judenvermögensabgabe beschlagnahmt. Der nichtjüdische Ex-Schwiegersohn Richard Vollmann wurde mit der Testamentsvollstreckung beauftragt. Er und Eva Steinthal hatten sich vor ihrer Flucht nach Peru scheiden lassen. Vollmann nahm, bei Beginn der Luftangriffe auf Berlin, einen Teil der Sammlung in sieben Kisten mit etwa 60 Exponate mit nach Dresden. Doch als er 1953 aus der DDR floh wurden die Kunstwerke gepfändet und ohne genauere Prüfung ins Depot der Staatlichen Kunstsammlung Dresden gegeben. Die Erben hatten zwar bereits 1948 Anspruch auf die Sammlung erhoben, jedoch liefen ihre Forderungen, ohne genaue Kenntnis des Aufenthaltsortes, ins Leere. 1998 beauftragten sie die Historikerin Monika Tatzkow mit der Suche nach der verschollenen Sammlung. Sie fand Hinweise darauf, dass die Bilder in Dresden zu suchen sind. Nach dem Elbhochwasser 2002 mussten die im Schloss Pillnitz gelagerten Beständen neu katalogisiert werden. Dabei wurden etwa 60 Bilder ausgemacht, die zu der Steinthal-Sammlung gehörten.
Den sieben Enkeln konnten, nach langen Verhandlungen, die entdeckten Bilder zurückgegeben werden. Sie wurden restauriert und 2004 im Jüdischen Museum Berlin ausgestellt. Schon zu Lebzeiten der Steinthals hingen die Bilder z.T. leihweise im Alten Jüdischen Museum. Nach der Ausstellung 2004 wurden die meisten Bilder von den Erben mit einem Millionengewinn bei Sotheby’s versteigert. Unter den wiedergefunden Stücken befand sich übrigens auch die Aktie der Deutschen Bank mit der No. 001. Sie ging bei Sotheby’s für 104.000 EUR weg. Die Miniaturensammlung von Fanny Steinthal sowie 40 weitere Werke sind jedoch leider bis heute verschollen.
Max und Fanny Steinthal sind auf dem interkonfessionellen Waldfriedhof Heerstraße (Berlin) beigesetzt. Am Alexanderplatz und der U-Bahn-Station Klosterstraße erinnert heute eine Gedenktafel an die Verdienste Steinthals. Zudem wurde in Erinnerung an Max und Fanny Steinthals Sohn Eduard, vor dem einstigen Anwesen der Familie, ein Stolperstein verlegt. Eduard Steinthal floh 1937 nach Frankreich, wurde dort jedoch verhaftet und am 14. September 1943 nach Ausschwitz deportiert und ermordet.
Quellen:
Zeit Online: Von zwei Diktaturen unterdrückt. http://www.zeit.de/2004/38/Von_zwei_Diktaturen_unterdrueckt (abgerufen am 29. Februar 2012).
Jüdisches Museum Berlin: Max Steinthal – Ein Bankier und seine Bilder. http://www.jmberlin.de/main/DE/01-Ausstellungen/02-Sonderaustellungen/2004/steinthal.php (abgerufen am 29. Februar 2012).
Spiegel.de: Deutsche-Bank-Aktie für 104.000 Euro repatriiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,333059,00.html (abgerufen am 29. Februar 2012).
Welt Online: Verschollene Kunst wiederentdeckt. http://www.welt.de/print-wams/article109050/Verschollene_Kunst_wiederentdeckt.html (abgerufen am 29. Februar 2012).
Berlin.de: Stolperstein Uhlandstr. 191. http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/lexikon/uhland191.html (abgerufen am 29.Februar 2012).
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