Montag, 28. Mai 2012

pina rath - paradise lost

Heute mal ein Veranstaltungstipp für euch: Vom 15.-17. Juni findet in Berlin das 14. Kunst- und Kulturfestivals „48 Stunden Neukölln“ statt. Im letzten Jahr hieß das, dass an 330 Orten etwa 560 Veranstaltungen zu sehen waren. Darunter Ausstellungen, Live-Performance, Musik, usw. usw. – aber auch Outsider-Art und Amateurkunst bietet das Festival. Denn das ist das Besondere: Jeder, der mag kann sich anmelden und eine Veranstaltung anbieten – auch in privaten Räumen, oder einfach draußen auf der Straße.

Im Rahmen dieses Festivals präsentiert die Berliner Künstlerin Pina Rath (kostenlos) einige ihrer Werke im Café s-cultur (Erkstraße 1 – gegenüber Rathaus Neukölln) unter dem Titel „Paradise Lost“. Hier der Ankündigungsstext:

“It Is Better To Reign In Hell Than To Serve In Heaven” - John Milton
Wir sind zurück. Im Garten Eden waren wir verloren. Jetzt leben wir mit unserer Schande – und wir leben gut damit. Es gibt nichts zu bereuen. Alles würden wir wieder so machen.
Etwas Besseres als das Paradies finden wir überall.
Pina Rath setzt sich mit Liebe und Liebesglück als paradiesisches Moment, als heilige Institution und deren fatalem Scheitern in unserer Kultur auseinander. Pina Rath malt brutal scharf, was sie beobachten muss: in eurem Paradies gibt es nichts zu holen.
Im Gesamtkunstwerk Paradise Lost fließen visuelle, akustische und kulinarische Genüsse zusammen.
In dieser brenzligen Lage lohnt es sich, noch einmal in den Apfel zu beißen - und das Restaurant s-cultur bietet der dramatischen Situation kulinarisch die Stirn:

♠ Klare Consommé vom Paradiesapfel mit Rucolaravioli „Kain und Abel“ ♠
♠ Filet von Schwein und Strauß im Feigenblatt auf Portweinjus mit diabolischen Kartoffeln und Gemüse aus dem Garten Eden ♠
♠ Evas freches Früchtchen verschieden interpretiert ♠
exkl. Weinbegleitung p.P. 27,50 €
inkl. korrespondierender Weine p.P. 35,90 €


Freitag, 15.06.2012
19 Uhr:
Uraufführung: „The Wonderful World of Pina Rath“
Der Film von Golo Gott erzählt kaleidoskopisch von einem scheinbar typischen Künstlerleben,
er gibt uns Einblick in das Private und das Intime

20:00 und 21:30 Uhr:
Live Performance von Art Oliver Simon und Lukasz Klusek:
„Ätherische Studie für Klavier und Kontrabass“

Samstag, 16.06.2012
19 Uhr:
Pina Rath und Golo Gott performen eine szenische Lesung für Tenor und Orchester:
- Fukushima mon amour -
Schwerpunkt ist hier Japan - das im nuklearen Desaster verlorene Insel-Paradies

Sonntag, 17.06.2012
Ausklang mit Gitarrenmusik und Gesang

Ich selber kann leider nicht zum Festival gehen - bin erst wieder eine Woche später in Berlin. Aber vielleicht hat ja jemand von euch Zeit und Lust und kann hinterher berichten, wie's war? :)


Donnerstag, 24. Mai 2012

der kommissar ernst gennat

In der Nähe vom Berliner Ostbahnhof (damals schlesischer Bahnhof und wirklich keine gute Wohngegend) nahm die Berliner Polizei unter der Führung des legendären Berliner Kommissar Ernst Gennat am 21. August 1921 den Serienmörder Karl Großmann fest. Zwischen 1918 und 1921 hatte man 23 zerstückelte Frauenleichen rund um den Bahnhof gefunden.

Ernst Gennat gilt als Begründer der modernen Mordkommission und revolutionierte die gesamte Polizeiarbeit. Als er 1904 in den Polizeidienst kam, fand er sich eklatant ineffizienten Ermittlungsmethoden gegenüber. Er selbst spottete, dass die Suche nach einem Kommissar oftmals schwieriger gewesen sei, als den Mörder selbst du fassen. Denn es dauerte zumeist Stunden bis ein Beamter gefunden werden konnte, der sich dem Fall annahm. Und einen wirklich gut organisierten 24-Dienst gab es, trotz dem jüngst eingerichteten Mordbereitschaftsdienst, schlicht und ergreifend nicht. Hinzu kam, dass die Polizeiarbeit zumeist unter den preußisch militärischen Gepflogenheiten der Beamten litt. Die Beamten zerstörten regelmäßig wichtige Spuren, indem sie vor der Ermittlungsarbeit erstmal den Tatort aufräumten und zudem die Leiche angemessener hinlegten oder anzogen. Als weiteres Hindernis für eine erfolgreiche Aufklärung, wurden die Polizeiakten damals nicht archiviert und eine Zusammenarbeit über Städte-, geschweige denn Landesgrenzen hinaus gab es schon gar nicht.

Unter der Leitung Gennats nahm 1926, nach langen Behördenkämpfen, die allererste Mordinspektion ihre Arbeit auf und erzielte eine unglaubliche Aufklärungsquote von 95%. Sie ist in etwa vergleichbar mit der heutigen, aber damals standen den Beamten weder DNA-Tests noch andere moderne Geräte und Verfahren zur Verfügung. In seiner gesamten Laufbahn konnte Gennat 297 Morde aufklären. Denn er war nicht nur ein guter Analytiker sondern auch ein Meister des Verhörs: „Wer mir einen Beschuldigten anfasst, fliegt! Unsere Waffen sind Gehirn und Nerven!" pflegte er seinen Polizeischülern einzubläuen.

Gennat führte zudem ein umfassendes Akten-Archiv ein und pfiff dabei auf Zuständigkeitsbestimmungen. Auch das, in der Bevölkerung als Mordauto bekannte, erste fahrbare Kriminallabor wurde nach seinen Anweisungen konstruiert. Ausgestattet mit einem kleinen Büro sowie Materialen zur Spurensicherung konnte alles Notwenige sofort zum Tatort gefahren werden. Gennat saß stets rechts hinter dem Beifahrer, denn unter diesem Sitz hatte er eine Spezialverstrebung einbauen lassen, die verhinderte, dass der Wagen in Schieflage fahren musste, denn Gennart wog Schätzungen zufolge 135 Kilo. Dies verdankte er vor allem seiner Vorliebe für Kuchen.

Quellen:
Hahn, P.: Kriminalrat war spezialisiert auf Mord. In: Märkische Allgemeine Zeitung, (31.12.2004).
Berlin.de: Der Polizeipräsident in Berlin. http://www.berlin.de/polizei/wir-ueber-uns/historie/weimar.html (abgerufen am 21. Mai 2011)
Deutschlandradio Kultur: Modernisierer der Mordkommissionen. http://www.dradio.de/dlr/sendungen/merkmal/295627/ (abgerufen am 21. Mai 2011)

Donnerstag, 17. Mai 2012

doktorchen werner gladow

In der Berliner Schreinerstraße 52 lieferten sich 1949 die Polizei und „Doktorchen“ Werner Gladow eine einstündige Schießerei, bei der der erst 18-jährige Bandenchef schließlich von der Polizei festgenommen wurde.

Schon mit 16 Jahren war er einer der Hauptfiguren auf den Berliner Nachkriegs-Schwarzmärkten. Schnell steigerte er seine Gaunereien zu handfesten Einbrüchen mit seiner Bande, die stets in Anzug und Krawatte auftrat. Bei ihren Beutezügen nutzten sie die damals noch mauerlose Teilung Berlins: wenn sie irgendwo im Westen einbrachen, flohen sie anschließend in den Osten und umgekehrt. Die Verfolgung der Polizei endete jedes Mal an der Grenze von West und Ost. Nur einem kurzen Burgfrieden der beiden Berliner Polizeidienststellen ist es zu verdanken, dass einer von Gladows Bandenmitglieder gefasst werden konnte und dieser sie zu weiteren Komplizen führte, bis sich die Indizien schließlich verdichteten und Gladows Wohnsitz festgestellt werden konnte.

Die Anklagepunkte waren kaum noch zu zählen: ein toter Chauffeur, dessen Auto sie Unter den Linden geraubt hatten ging auf ihr Konto und auch ein Juwelier, der seiner Ware hinterherlief, wurde von ihnen ohne zu zögern abgeknallt. Ein anderer Juwelier wurde von ihnen in der Frankfurter Allee gefoltert, um von ihm das Versteckt seines Tresorschlüssels zu erfahren und als das nichts half, nahmen sie sich seine Frau vor. Sie schreckten auch nicht davor zurück in ein Wirtshaus einzufallen und allen Gästen die Brieftaschen abzunehmen. Als sich dort die 60-jährige Wirten zu wehren versuchte, schossen sie sie kurzerhand nieder.

Der Prozess fand im Ostsektor in dem als Gerichtssaal improvisierten Reichsbahndirektionsgebäude in der Torstraße 146 statt (das Gebäude wurde vor der NS-Diktatur übrigens als Israelitisches Krankenheim genutzt). Der Polizeipräsident Waldemar Schmidt kam zu den Verhandlungen stets mit einer Hundertschaft als Eskorte, denn neben Werner Gladow saßen noch elf seiner Komplizen auf der Anklagebank. Der Gerichtsaal war bis auf den letzten Platz mit Menschen gefüllt: Politiker, Polizeibeamte, Presse, Fernsehen und auch jede Menge Schaulustige, die Unsummen für die Publikumstickets auf dem Schwarzmarkt hingeblättert hatten, wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Selbst einige Westberliner, die den Ostsektor eigentlich unter keinen Umständen betreten wollten, sahen über ihre Prinzipien hinweg.

„Ich hatte noch ganz andere Sachen vor“, gestand Doktorchen Gladow kaltblütig während des Prozesses. „Die Bande war jetzt so prime im Schuß. 17 dicke Sachen klappten nacheinander wie am Schnürchen", zitierte ihn der Spiegel vom 6. April 1950. Dumm nur für den plauderfreudigen Gladow, dass er sich in Ost-Berlin hat festnehmen lassen, denn dort gab es damals noch die Todesstrafe. Und jene wurde schlussendlich auch gegen ihn und zwei seiner Bandenmitglieder verhängt. Die anderen Angeklagten wurden zu 4-15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Quellen:
Deutschlandradio Kultur: Vom Metzgersoh zum Gangsterboss. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/363740/ (abgerufen am 23. Juni 2011).
Feuer unter Kaufmannsfüße. In: Der Spiegel, 14/1950.
ARD: Die Gladow-Bande - Chicago in Berlin. http://www.daserste.de/kriminalfaelle/sendung_dyn~uid,rchseychrvx2k70uclofyyde~cm.asp (abgerufen am 23. Juni 2011).
Studnitz, P.: Schirach über famose Berliner Verbrechen. In: B.Z., 21.07.2010.
Edition Luisenstadt: Israelitisches Krankenheim. http://www.luise-berlin.de/lexikon/mitte/i/israelitisches_krankenheim.htm (abgerufen am 23. Juni 2011).

Montag, 14. Mai 2012

tatortkommissar für einen tag

Wer sich schon immer mal als Tatortkommissar versuchen wollte, hat nun die Chance dazu, denn das Ende der gestrigen Folge wurde offen gelassen:


Nun kann der Mörder in einen Onlinespiel ermittelt werden. Einloggen kann man sich via Facebook, Twitter oder mit einem eigenen Acount. Zumindest theoretisch, denn auch wenn ich grad weder Zeit habe mir die Folge anzusehen, noch anschließend zu spielen, wollte ich doch mal einen kurzen Blick drauf werfen. Und genau das scheint derzeit halb Deutschland zu tun - denn jeder Klick braucht eine halbe Ewigkeit bzw. hängt sich gleich ganz auf. Schade. Aber vielleicht klappt's ja heute Abend....

+++ Nachtrag +++
Ich hab' das Spiel jetzt durchgespielt und es gibt eine Stelle, die ist echt kniffelig - also falls jemand Hilfe braucht, kann ich gerne den einen oder anderen Tipp geben....

Samstag, 12. Mai 2012

Die No. II im Lande

Der Unternehmer Rudolph Hertzog, Gründervater eines ganzen Kaufhausimperiums, war der erste Autobesitzer in ganz Berlin. 1892 legte er sich einen Benz zu. Angesichts dessen sah sich Kaiser Wilhelm II. im Zugzwang und schaffte sich kurzerhand auch einen an.

Doch der Kaiser musste bald feststellen, dass er fortan die Nummer zwei bleiben musste, denn die Hertzogs fuhren ihren Wagen mit dem Kennzeichen IA – 1. Da half auch kein Verfahren des Hofes gegen die Unternehmerfamilie: das Gericht beschloss, dass der Kaiser sich mit der Nummer zwei auf seinem Kennzeichen zufrieden geben musste.

In der Berliner Brüderstraße 26 war übrigens eines der Hertzog'schen Kaufhäuser. Es wurde 1908/09 von dem Unternehmen erbaut und war nur eines von vielen. Der Hauptsitz der Kaufhauskette nahm damals fast das ganze Gebiet zwischen Brüderstraße, Neumannsgasse, Breite Straße und Scharrenstraße ein. Das Familienunternehmen wurde unter der DDR-Herrschaft enteignet und das Kaufhaus verstaatlicht. Derzeit steht das Gebäude leer - die anderen Gebäudeteile des Hauptsitzes wurden zum größten Teil abgerissen.

Quellen:
Magnet für Modemacher. In: Spiegel, (1/1993). S. 132-136.
Edition Luisenstadt: Warenhaus Rudolph Hertzog. http://www.luise-berlin.de/lexikon/mitte/w/warenhaus_rudolph_hertzog.htm (abgerufen am 10. Mai 2011)

Mittwoch, 9. Mai 2012

freischaffender kunsttrinker

„Hütchen war stets betrunken und dabei von ausgesuchter Höflichkeit. ,Ich hätte gern eine kleine Erfrischung', sagte er, wenn er sich nach Schnaps sehnte“, erinnert sich Jeffrey Layton an Oskar Huth.

Eigentlich vom Beruf Klavierbauer, trat Huth einen Job als wissenschaftlicher Zeichner am Botanischen Institut an. Dort wurde u.a. die Eignung von Moosen als Ersatzernährung für die kriegsbedingt hungernde Bevölkerung erforscht. Dieser Job – da von Kriegswichtigkeit – verschonte ihn zunächst vor der Einberufung zur Wehrmacht. Jedoch nicht lange. Zum 1. September 1939 musste er schließlich doch seinen Dienst antreten - den er nach zehn Tagen wieder quittierte. Denn dank eines heimlichen Hungerstreiks, wurde er für untauglich erklärt.

Doch schon zwei Jahre später bekam er einen erneuten Befehl sich bei der Wehrmacht zum Dienst zu melden. Darauf verließ Oskar Huth Berlin und setzte das Gerücht in die Welt, er wäre bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Kurze Zeit später tauchte ein, ihm äußerst ähnlich sehender Mann, namens Hoch in Berlin auf. „Hoch" übernachtete zunächst bei Freunden, bis ihm schließlich Käte Kausel ihre Wohnung in der Dillenburger Straße 58f überließ. Sie wollte Berlin verlassen, um mit ihrer Tochter auf das weniger vom Krieg betroffene Umland zu ziehen.

Im Keller des Hauses stellt Huth eine Druckerpresse auf und produzierte fortan Lebensmittelmarken und Blankoausweise, mit denen er so manchen vor dem KZ bewahrte: u.a. Ludwig von Hammerstein, Mitverschwörer des missglückten Hitlerattentats vom 20. Juli., wurde von Huth mit neuen Papieren versorgt. Mit Butter, die er durch seine gefälschten Lebensmittelmarken erhielt, belieferte er zudem eine nicht unerhebliche Anzahl von Untergetauchten – und dies (um nicht aufzufallen) mitunter auch in Frauenklamotten. „Was mir geholfen haben muß, durchzukommen, ist wohl, daß mich die Leute hinsichtlich meiner Nervenfestigkeit, meiner physischen Kraft und (wenn ich's mal ein bißchen eitel sagen darf) auch, was die Sache eines gewissen Witzes angeht, unterschätzt haben."

Nach Kriegsende wurden ihm – freilich – diverse Positionen angeboten, doch Oskar Huth, der sich selbst als „freischaffender Kunsttrinker“ bezeichnete, hielt nicht sonderlich viel von derartigen, an Dienstvorschriften gekoppelte Berufe. Er trieb sich lieber in der neu aufflackernden Kunstszene Berlins herum. „Er war ein Scheiterer aus Überzeugung. Und ein Solitär von Mut und Anmut. Kaum einer seiner Generation hat sich getraut, was er sich gegen die Nazis zu tun traute. Oskar Huth, der Fälscher – er hatte sein Leben der Wahrheit und der Schönheit geweiht. Er starb an einer Leberzirrhose. Und sein Tod wurde sehr beweint“, so Jeffrey Layton über den am 21. August 1991 verstorbene Oskar Huth. Er wurde in Berlin auf dem Friedhof I der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde beigesetzt.

Quellen:
Scherer, B.: Kriegsuntauglich, lebenswichtig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2001, Nr. 273/ Seite 46.
Nachträge und Ergänzungen zu Hammerstein oder der Eigensinn. http://www.suhrkamp.de/hammerstein/Hammerstein_Nachtraege.pdf (abgerufen am 21. Juni 2011).
Friedpark: Jerusalems- und Neue Kirche, Friedhof I: Ehrengrab - Widerstandskämpfer gegen das NS- Regime - Oskar Huth. http://www.berlin.friedparks.de/such/gedenkstaette.php?gdst_id=3002 (abgerufen am 21. Juni 2011).

Dienstag, 8. Mai 2012

die befreiung berlins

Am 23. März 1945 befahl das Luftwaffenkommando die Straße des 17. Juni (damals Ost-West-Achse) als Start- und Landebahn zu nutzen. Die Rote Armee war auf dem Vormarsch nach Berlin. Schon ein Monat zuvor wurden die Lehrveranstaltungen der Universität eingestellt, denn immer mehr Studenten und Lehrende wurden nun auch zum „Volkssturm“ eingezogen. Bereits am 19. März unterzeichnete Hitler den Befehl: „Alle militärischen Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die sich der Feind zur Fortsetzung seines Kampfes irgendwie sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann, sind zu zerstören“ (auch bekannt als „Nerobefehl“ bzw. „Befehl verbrannte Erde“).

Indes ging es der Berliner Bevölkerung zunehmend schlechter. Viele waren obdachlos und die Nahrung war knapp. Am 5. April 1945 veröffentlichte die NSDAP Richtlinien zur Ernährung der Bevölkerung. Darin wurden als wichtige Nahrungsquellen Kastanien, Eicheln, Klee, Luzerne, Frösche und Schnecken genannt. Elf Tage später verkündete Hitler den offiziellen Beginn der Verteidigung Berlins: „Berlin bleibt deutsch, Wien wird wieder deutsch“. Zwei Tage später erkläre auch die Rote Armee die Offensive gegen Berlin. Am 20. April wurden die letzten Luftangriffe auf Berlin geflogen.

Schon einen Tag später besetzte die Rote Armee Frohnau, Niederschönhausen und Teile des Bezirks Lichtenberg. Am selben Tag konnten die Menschen im KZ-Sachenhausen befreit werden und Goebbels ließ im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt Arien aus der Oper „Tosca“ singen. Am 22. April erreichte der letzte Post- und Kohlezug Berlin und die Berliner Feuerwehr folgte dem Befehl mit 1400 Löschfahrzeugen die Stadt zu verlassen. In der Nacht wurden 15 politische Gefangene aus dem Gefängnis Lehrter Straße (Moabit) durch Genickschüsse hingerichtet. Am nächsten Morgen rief die Frontzeitung „Der Panzerbär“ dazu auf Berlin mit allen Mitteln zu verteidigen und jeden Verräter sofort zu töten. Noch am selben Tag wurden zwei junge Soldaten unter den Bögen nahe der Station Friedrichstraße von SS-Männern erhängt. Sie hatten ihr „Sturmgeschütz nicht in dem Zustand gehalten, wie es der Führer befahl.“ Ebenfalls an diesem Tag wurden aus den Beständen der Roten Armee 6000t Mehl, 1250t Fleisch, 75t Schweinespeck, 12000t Kartoffeln, 550t Salz, 500t Zucker und 65t Kaffee der Berliner Bevölkerung zur Verfügung gestellt.

Am 25. April wurde auch die letzte U-Bahn-Linie Wittenbergplatz-Ruhleben stillgelegt. Zwei Tage später rückten sowjetische Soldaten bis zum Halleschem Tor in Kreuzberg vor. In der Nacht des 29. April unterschrieb Hitler um 4:00h sein Testament und heiratete wenige Stunden später Eva Braun. Einen Tag später begingen beide Selbstmord. Ihre Leichen wurden von SS-Männern verbrannt. Indes fanden schwere Kämpfe um das Regierungsviertel statt. Am 1. Mai hissten sowjetische Soldaten die Rote Fahne auf dem Reichstagsgebäude und Joseph Goebbels tötete sich zusammen mit seiner Frau selbst. Zuvor hatte Magda Goebbels ihre sechs Kinder ermordet. Währenddessen hatten General Hans Krebs und der Generaloberst Wassili I. Tschuikow in Tempelhof bereits mit ersten Waffenstillstandsverhandlungen begonnen.

Am 2. Mai wurde die Rote Fahne auch auf dem Brandenburger Tor gehisst. Am selben Tag, wenige Stunden vor der Kapitulation Berlins, sprengten SS-Leute die Tunneldecke unter dem Landwehrkanal. So, dass das Wasser ungehindert in das Tunnelsystem der U-Bahn eindringen konnte. Die genaue Opferzahl ist unbekannten. Schätzungen zufolge verloren aber etwa 100 Menschen ihr Leben. Sie hatten sich dort vor den Kämpfen versteckt. Gegen 15:00h wurden die Kampfhandlungen offiziell eingestellt. Und schließlich wurde heute vor 67 Jahren, am 8. Mai 1945, die bedingungslose Kapitulation Deutschlands unterzeichnet.

Berlin lag in Trümmern: 85 Brücken waren zerstört, 251 Schiffe waren auf den Grund der Seen, Flüsse und Kanäle gesunken, 1118 Straßenbahn-Wagen beschädigt - davon 420 komplett zerstört. Von den einstmals 900 Omnibussen waren nur noch 18 betriebsfähig. Und von dem 7000km langen Gasrohrnetz nur noch 14km einsatzfähig. Berlin war ohne Trinkwasser und Strom. Mit den Trümmern der Stadt hätte man einen 5 Meter breiten und 30 Meter hohen Wall von Berlin bis nach Köln bauen können.

Weltweit verloren im Zweiten Weltkrieg etwa 50 Millionen Menschen ihr Leben. Die Sowjetunion hatte 25 Millionen Menschenleben zu beklagen und Polen verlor 17% seiner Bevölkerung. Bei den deutschen Bombenangriffen am 23. August 1942 über Stalingrad starben von den 450.000 Einwohnern rund 40.000 Zivilisten. Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 starben von den etwa 550.000 Einwohnern bis zu 25.000 Menschen. In Deutschland verloren insgesamt 3,8 bis 4 Millionen Wehrmachtssoldaten und 1,65 Millionen Zivilisten ihr Leben. Die Deutschen hatten in ihren Konzentrations- und Arbeitslagern 6 Millionen jüdische Menschen grausam ermordet.

Quellen:
Deutsches Historisches Museum: Kriegsverlauf. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/index.html (abgerufen am 15. Juni 2011).
Edition Luisenstadt: Chronik. Berlin im Jahr 1945. http://www.luise-berlin.de/kalender/jahr/1945.htm (abgerufen am 15. Juni 2011).
Deutsches Historisches Museum: Die Bombardierung von Dresden. http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/dresden/index.html (abgerufen am 15. Juni 2011).

Freitag, 4. Mai 2012

kurzurlaub

Urlaubsreif bin ich schon lange, da ist es doch ein großes Glück, dass ich einen ganzen Tag Venedig in nur 3 Minuten unterbrigen kann..... ;)


Entdeckt habe ich den Clip übrigens hier.
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