Samstag, 25. August 2012

die verwunschene prinzessin

Einer Sage nach soll einst am Berliner Teufelssee ein großer weißer Stein gestanden haben. Über ihn wird erzählt, dass an seiner Stelle früher ein wunderschönes weißes Schloss auf einem kleinen Hügel lag. In ihm wohnte eine schöne, aber auch sehr hochmütige Prinzessin. Alle Prinzen, die um sie warben wies sie ab. Ihr Vater war anfangs noch sehr geduldig, doch in einem Wutanfall über die Sturheit seiner Tochter verfluchte er sie. In diesem Augenblick verschwand das Schloss und an seiner Stelle blieb der große weiße Stein zurück. Unter ihm soll ein kleiner Gang ins Erdreich geführt haben. Dort, erzählt man sich, habe die verfluchte Prinzessin fortan gelebt und kam nur ganz selten hinaus: manchmal konnte man sie am Abend in Gestalt einer alten buckeligen Frau sehen und zur Mittagszeit erschien sie stets in ihrer einstigen Schönheit. In der Hand hielt sie ein Kästchen voller Gold, das sie demjenigen versprach, der sie dreimal um die Köpenicker Kirche zu tragen vermochte, ohne sich dabei umzusehen.

Doch falls ihr der Prinzessin begegnen solltet, ist Vorsicht geboten, denn dem Letzten, der auf den Deal eingegangen ist, ist es nicht sehr gut ergangen: er nahm in freudiger Erwartung seines Lohnes die zierliche und federleichte Prinzessin auf den Rücken, doch je näher er der Kirche kam, umso schwerer wurde sie. Bis er schließlich drohte unter der Last ihres Körpers zusammenzubrechen. Und als wenn das nicht schon genug gewesen wäre, wurde er auch noch von Kobolden gezwickt und Schlangen und Kröten versperrten ihm den Weg. Doch er biss die Zähne zusammen und schleppte sich weiter. Er trug sie tapfer um die Kirche herum. Einmal. Zweimal. Doch beim dritten Mal flammte hinter ihm plötzlich eine riesige Stichflamme auf und der Jüngling drehte sich im Schreck herum. Die Prinzessin verschwand in diesem Augenblick, der junge Mann wurde von einem Schlag getroffen und starb.

Quellen:
Zuckschwerdt, R.: Berlin-Brandenburg. Mysteriöses, Geheimnisvolles, Sagenhaftes. München: Eulen Verlag, 1999.

Donnerstag, 16. August 2012

kunstmomente no. 4


Jede Familie hat ihre Traditionen. Unsere fährt alle fünf Jahre zur Documenta nach Kassel. Und daher versammelten wir uns auch diesmal zwecks gemeinsamer Kunstexploration. Doch die Kunstmomente, die uns dort erwarteten waren eher rar. Schon die erste Installation im Park, die von weitem sehr einladend aussah, erwartete uns mit einem eindringlichen Bloß-nicht-betreten-Schild. Und führte somit recht treffend in die Ausstellungen ein.

Denn diese Schilder, Hinweise und Reglementierungen erwarteten uns an jeder Ecke. Als Kinder haben wir uns eher spielend durch die Documenta bewegt: Es gab ganze Räume mit Zollstöcken, die von der Decke hingen und dessen Zahlen hinuntergefallen auf dem Boden lagen. Meine Schwester wurde auch einmal von einem baumelnden Boxsack niedergemäht. Überall konnte man klettern und toben. Und ja alles – oder zumindest das meiste anfassen. Diesmal war es einem maximal vergönnt einige Stofftücher, oder soll ich sagen –barrieren, von diversen Glasvitrinen aufzudecken. Und ach ja: Eine Jukebox mit frei wählbaren „Freiheits-Liedern“ gab’s auch noch. Aber ansonsten war anfassen strengstens verboten. Oder besser gesagt berühren? Denn berührt habe ich diesmal, wie gesagt, herzlich wenig. Doch das beruht auf Gegenseitigkeit.

Wenn man nicht gerade zurechtgewiesen wurde, weil man irgendeine Linie übertreten hatte, die Schuhe ausziehen oder Schlange stehen musste, wurde man angehalten seine Tasche in einen Schlitz zu stecken und je nach Auslegung musste man sie anschließend abgeben – oder auch nicht. Rücksäcke gingen gar nicht. Es sei denn man war vor der Kontrolle gewitzt genug, ihn an den Schlaufen zu halten und als Handtasche zu tarnen. Dies half natürlich alles nix in den Ausstellungsräumen, in denen schlicht gar keine Taschen erlaubt waren.

An einigen Stellen durfte man fotografieren, an anderen wieder nicht. Und ob ich die gemachten Fotos hier nun posten darf? Keine Ahnung? Das Urheberrecht der Kunstwerke dürfte mich an dieser Stelle wohl ausreichend knebeln – oder zumindest hinreichend verunsichern. Daher nur ein Bild von einem Plakat, das man unter vielen, kostenlos und einladend mit nach Hause nehmen durfte. Das ist ja jetzt meins. Glaube ich zumindest. Oder doch nicht…. ;)

In diesem Sinne, dachte ich mir: Ich sag mal was.

Wenn ihr auch Lust habt mitzumachen! Umso besser! Postet einfach eure Kunstmomente auf eurem Blog. Ihr müsst natürlich nicht unbedingt heute bloggen oder zu einem anderen festen Termin. Verbloggt eure Momente einfach dann, wenn sie euch über den Weg laufen oder ihr in alten Bildern und Erinnerungen stöbert - eben dann, wann es euch in den Kram passt.

Egal ob witzig, ernst, romantisch, gruselig, bunt, nervenaufreibend, spannend, glamourös, flüchtig, klein, groß, kurz oder lang: Ich würde ihn zu gerne sehen - euren Moment mit der Kunst. Schickt mir einfach euren Link als Kommentar. Zu meinem nächsten Kunstmoment am 1. September erstelle ich wieder eine kleine Galerie und verlinke eure Postings. Außerdem sammel ich alle Beiträge bei Pinterest. Über eine Verlinkung in eurem Beitrag würde ich mich außerdem mächtig freuen! :D

Ganz besonders danken möchte ich diesmal Dieter und Dornröschen, die mir ihre Kunstmomente gezeigt haben:




Dieter zeigt uns einige Tierbilder, die er in der Stadtbücherei von einer ihm unbekannten Künstlerin entdeckt hat.



Dörnröschen nimmt uns mit in die Niederlande - ins Land der Radfahrer - und zeigt uns einige hübsch dekorierte Räder.

Dienstag, 7. August 2012

theater mit waldduft

1905 wehte am damaligen „Neuen Theater“ Berlin ein frischer Wind: denn Max Reinhardt führte Regie. Für seinen Sommernachtstraum ließ er eigens eine Drehbühne einbauen und auch sonst war die Inszenierung äußert aufwendig: der Bühnenboden wurde künstlich bemoost und es gab sogar eine Maschine, die für die nötige Stimmung Waldduft ins Theater blies.

Als Max Reinhardt nach Berlin kam, war er zwischen 1894 und 1902 Ensemblemitglied am Deutschen Theater und gründete 1901 zusammen mit einigen Kollegen das Kabarett „Schall und Rauch“ - welches wegen seiner Beliebtheit schnell in eine größere Räumlichkeit umziehen musste. Ab 1903 leitete er das „Neue Theater“. Danach folgte ein wahres Theater-Imperium: er war z.B. Direktor des Deutschen Theaters und gründete eine Schauspielschule.

Mit seinen neuen und aufwendigen Inszenierungen gilt er heute als Begründer des modernen Regietheaters. Er entstaubte nicht nur die Theater-, sondern auch die Opernbühnen und feierte z.B. mit der Inszenierung von Richard Strauss Rosenkavalier Erfolge in Dresden. Neben weltweiten Engagements, übernahm er zwischen 1915 und 1918 auch noch die Leitung der Berliner Volksbühne und richtete in dieser Zeit am Deutschen Theater die Bühne „Das junge Deutschland“ ein. Dort fanden viele Uraufführungen zeitgenössischer Stücke statt.

1919 ließ er den Zirkus Schumann zum „Großen Schauspielhaus“ umbauen. Das Haus umfasste 3000 Plätze und wurde durch seine aufwendig verzierte Decke auch „Tropfsteinhöhle“ genannt. Aus dem riesigen Theater wurde später der Friedrichstadtpalast. Das Gebäude wurde 1980 abgerissen und an gleicher Stelle ein neues Theater errichtet.

Max Reinhardt bespielte zwischen 1902 und 1933 insgesamt 13 Berliner Theater, war Mitbegründer der Salzburger Festspiele und zudem unterstanden noch neun weitere Bühnen in Wien seiner Leitung. Mit der Machtergreifung der Nazis boten jene ihm eine „Ehren-Arierschaft“ an. Max Reinhardt war jüdischer Herkunft. Er lehnte empört ab und ging noch im selben Jahr ins Exil. In den USA gründete er den „Max Reinhardt Workshop“ – eine Theater- und Filmakademie.

Am 31. Oktober 1943 starb er in New York. Um den von den Nazis enteigneten Millionen-Nachlass Reinhardts gab es noch Jahre später Unstimmigkeiten. Am 10. Juli 2006 eröffnete das Nachrichtenmagazin der Spiegel beispielsweise einen Artikel zum Rechtsstreit mit der Schlagzeile „Der Bund erhebt Anspruch auf Millionen aus dem Nachlass des jüdischen Theatermachers Max Reinhardt – und würde damit von Nazi- und SED-Diktatur profitieren.“


Quellen:
Galli, M.: Berlin, die Kunststadt. München: Bucher, 2009.
Wassermann, A.: Späte Entdeckung. In: der Spiegel, 28/2006, S. 43.
Bienert, M./Buchholz E. L.: Die Zwanziger Jahre in Berlin: ein Wegweiser durch die Stadt. Berlin: Berlin Story Verlag, 2006.
Deutsches Historisches Museum: Max Reinhardt. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ReinhardtMax/ (abgerufen am 25. Juni 2011).

Samstag, 4. August 2012

kunstmomente no. 3

Entschuldigt bitte. Mich hat’s danieder gestreckt. Ganze vier Tage habe ich hauptsächlich im Bett und auf dem Sofa verbracht. Richtig fit bin ich leider immer noch nicht. Deswegen gibt es erst jetzt meinen nächsten Kunstmoment:

Letztesmal habe ich euch zwei Spiegelungen in Bildern gezeigt, die den Raum um sich herum und mich als Betrachterin in sich aufgenommen haben. Denn ohne Betrachter bleibt Kunst natürlich völlig wirkungslos. Und prüfende Blicke sind selbstverständlich auch erlaubt. Wer lässt sich schon gerne etwas vorgaukeln? Das Loch im Krug habe ich natürlich längst bemerkt. Da hilft auch keine Ablenkung durch nackte Tatsachen..... ;)


Wenn ihr auch Lust habt mitzumachen! Umso besser! Postet einfach eure Kunstmomente auf eurem Blog. Ihr müsst natürlich nicht unbedingt heute bloggen oder zu einem anderen festen Termin. Verbloggt eure Momente einfach dann, wenn sie euch über den Weg laufen oder ihr in alten Bildern und Erinnerungen stöbert - eben dann, wann es euch in den Kram passt.

Egal ob witzig, ernst, romantisch, gruselig, bunt, nervenaufreibend, spannend, glamourös, flüchtig, klein, groß, kurz oder lang: Ich würde ihn zu gerne sehen - euren Moment mit der Kunst. Schickt mir einfach euren Link als Kommentar. Zu meinem nächsten Kunstmoment am 15. August erstelle ich wieder eine kleine Galerie und verlinke eure Postings. Außerdem sammel ich alle Beiträge bei Pinterest

Ganz besonders danken möchte ich diesmal Heidrun, Inka und Ulaya, die mir ihre Kunstmomente gezeigt haben:



Heidrun hat auf ihrem Blog ein Bild veröffentlicht, mit dem sie ihrer Freundin Antje zum Geburtstag gratulieren möchte. Ich finde es wunderbar für diesen Anlass. Denn es zeigt, dass aus Mauern Wege werden können - es liegt ganz bei dem Betrachter.





Inka nimmt uns mit nach Italien: In die Villa Grock. Schaut mal bei ihr vorbei! Sie erzählt eine wunderbare Geschichte über ihren Ausflug zu der Villa des einst so berühmten Clowns......








Ulaya zeigt uns eine der Nana Figuren von Niki de Saint Phalle, die man sich definitiv anschauen sollte, wenn man Hannover einen Besuch abstattet!!
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...